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Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ besser unterstützen

07.06.2018 - GEW-Pressemitteilung

Die GEW begrüßt die Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“. Es können jedoch nur dann sinnvolle Schutzkonzepte an den Schulen entstehen, wenn die Lehrerfortbildungsangebote schneller ausgebaut und die Schulen besser unterstützt werden.

Die Bildungsgewerkschaft GEW begrüßt die Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ und setzt sich für einen schnellen Ausbau der Lehrerfortbildungsangebote sowie eine bessere Unterstützung der Schulen ein.

„Jeder Fall von sexueller Gewalt ist einer zu viel. Niemand darf wegschauen, wenn Kinder und Jugendliche von Gewalterfahrungen berichten. Unsere Kitas und Schulen müssen in die Lage versetzt werden, eigene Konzepte zum Schutz vor sexueller Gewalt zu entwickeln, Anzeichen für Missbrauch überhaupt zu entdecken und den Kindern und Jugendlichen helfen zu können.

Es gibt kaum Fortbildungsangebote zu diesem Thema. Und wie soll eine Grundschullehrerin mit 28 Kindern in der Klasse ohne eine einzige Poolstunde und ohne Schulsozialarbeit an der Schule in der Lage sein, wirksam etwas gegen sexuelle Gewalt zu tun? An die bei diesem Thema wichtige Elternarbeit ist aufgrund der schlechten Ausstattung der Schulen überhaupt nicht zu denken“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), in Stuttgart.

Land muss Geld in die Hand nehmen

Im landesweiten Lehrerfortbildungsprogramm für Baden-Württemberg gibt es zwischen September 2017 bis Juni 2021 nur drei Fortbildungsangebote zum Thema sexuelle Gewalt und insgesamt 16 Fortbildungen zu den Themen Kindesschutz und Kindeswohl. Die Landesregierung hat die Mittel für Lehrerfortbildung 2017 um 500.000 Euro gekürzt.

Die GEW erhält jede Woche Berichte über überbuchte Fortbildungsangebote. Derzeit liegen zudem viele Fortbildungsplanungen für das Schuljahr 2018/19 auf Eis, weil die Schulverwaltung immer noch nicht weiß, welche Auswirkungen das seit 1,5 Jahren in Planung befindliche Qualitätskonzept des Kultusministeriums haben wird.

„Es ist gut, wenn zum Thema sexuelle Gewalt ein Online-Kurs starten soll. Das und Materialien zum Thema werden aber nicht ausreichen. Die Landesregierung muss bei diesem wichtigen Thema Geld in die Hand nehmen und Fortbildungen für das ganze Kollegium einer Schule anbieten. Dies ist auch eine Voraussetzung dafür, dass sinnvolle Schutzkonzepte an den Schulen entstehen können“, so die GEW-Landeschefin.

Die Bildungsgewerkschaft hält es für richtig, dass an den Schulen eigene Schutzkonzepte entwickelt und dabei Schüler- und Elternvertretungen einbezogen werden. „Ich frage mich nur, wie unsere Schulen dieser Aufgabe gerecht werden können. Unser Alltag in vielen Klassenzimmern ist von Lehrermangel und nicht ausreichender Lehrerreserve geprägt. Wer den Schulen zusätzliche Aufgaben gibt, muss sie auch in die Lage versetzen, diese gut umsetzen zu können“, sagte Moritz.

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