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Land schickt 9.000 Lehrkräfte in die Arbeitslosigkeit

25.07.2018 - GEW-Pressemitteilung

Mit Beginn der Sommerferien schickt die Landesregierung knapp 9.000 Lehrerinnen und Lehrer in die Arbeitslosigkeit. Die Verträge von fast 4.000 befristet Beschäftigten enden – und über 5.000 Referendarinnen und Referendare werden entlassen.

Während sich heute 1,5 Millionen Schüler/innen in Baden-Württemberg über den Beginn der Sommerferien freuen, schickt die grün-schwarze Landesregierung 9.000 Lehrkräfte in die Arbeitslosigkeit. Zum Ferienbeginn enden die Verträge von fast 4.000 befristet beschäftigten Pädagoginnen und Pädagogen, der große Teil hat nicht einmal Anspruch auf Arbeitslosengeld. Zusätzlich werden über 5.000 Referendarinnen und Referendare entlassen, obwohl die meisten ab September wieder in den Klassenzimmern stehen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW setzt sich dafür ein, dem Beispiel von Rheinland-Pfalz zu folgen und ab 2019 ebenfalls die eigenen Saisonlehrer in den Ferien zu bezahlen.

„Es ist kaum vorstellbar, dass das reiche Baden-Württemberg nicht dem Beispiel von Rheinland-Pfalz folgen kann. Die Steuereinnahmen sprudeln. Trotzdem zeigt sich die grün-schwarze Landesregierung in Zeiten des Lehrermangels und des Unterrichtsausfalls als Arbeitgeber ohne Verantwortung. Die befristet beschäftigten Lehrerinnen und Lehrer für die Vertretungen sind für die Schulen der Rettungsanker. Sie halten unter oft schwierigen Bedingungen und schlechterer Bezahlung als ihre Kolleginnen und Kollegen den Unterrichtsbetrieb in Baden-Württemberg aufrecht. Die meisten werden nach den Ferien wieder am Lehrerpult gebraucht, trotzdem schickt sie die Landesregierung in die Arbeitslosigkeit. Wir erwarten, dass diese Praxis gestoppt wird“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, in Stuttgart.

Saisonlehrkräfte in den Sommerferien bezahlen

Grüne und CDU hatten im Wahlkampf 2016 versprochen, diese Lehrkräfte wie in einigen anderen Bundesländern auch in den Sommerferien zu bezahlen. Die GEW berichtet, dass immer wieder Lehrkräfte in benachbarte Bundesländer oder die Schweiz wechseln, weil sie dort bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. Mit der neuen Regelung im Nachbarland werden Lehrkräfte in Regionen, die an Rheinland-Pfalz grenzen, abwandern. Dadurch wird sich der Lehrermangel in Baden-Württemberg voraussichtlich weiter verschärfen.

In Baden-Württemberg sind knapp 4.000 Lehrerinnen und Lehrer befristet angestellt. Diese „Saisonlehrer“ arbeiten in der Vertretungsreserve sowie in den Vorbereitungsklassen (VKL) und in Klassen des Vorqualifizierungsjahrs Arbeit und Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen (VABO), in denen vor allem geflüchtete Kinder und Jugendliche unterrichtet werden.

Für den überwiegenden Teil dieser Lehrkräfte enden die Arbeitsverträge am letzten Schultag. Noch 2008 lag die Zahl der befristet Beschäftigten bei 1.216. „Es ist zu begrüßen, wenn sich die Grünen jetzt dafür einsetzen, für einen Teil dieser Beschäftigten dauerhafte Stellen zu schaffen. Allen anderen sollten zumindest die Sommerferien bezahlt werden“, sagte Moritz.

Vertretungsreserve ausbauen

„Offenbar hat in der Landesregierung niemand gemerkt, dass in den vergangenen Jahren tausende junge Lehrerinnen und Lehrer eingestellt wurden: Wir haben zu unserer Freude viele Schwangerschaften und dementsprechend steigt der Vertretungsbedarf. Der dringend notwendige Ausbau der ständigen Vertretungsreserve wurde 2013 von der ehemaligen Landesregierung gestoppt“, sagte Moritz.

Derzeit müssen 6.000 bis 7.000 der fast 120.000 Lehrkräfte dauerhaft vertreten werden. In der ständigen Lehrerreserve gibt es nur 1.666 Stellen. Zusätzlich wird es angesichts des Lehrermangels in vielen Bereichen immer schwieriger, durch befristet Beschäftigte die Lücken zu stopfen.

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