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SaisonlehrkräfteLand schickt Lehrkräfte trotz Corona und Lehrermangel in Sommerarbeitslosigkeit

Das Land schickt erneut rund 9.000 Lehrkräfte in den Sommerferien in die Arbeitslosigkeit. Die grün-schwarze Landesregierung präsentiere sich sogar in Zeiten von Corona als Arbeitgeber ohne Verantwortung, sagt GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz.

13.07.2020 - GEW-Pressemitteilung

Die Bildungsgewerkschaft GEW nennt es einen Skandal, dass die grün-schwarze Landesregierung trotz Lehrermangel und Corona deutschlandweit die meisten Lehrkräfte in die Arbeitslosigkeit schickt. Zum Ferienbeginn am 30. Juli 2020 enden die Verträge von fast 4.000 befristet beschäftigten Pädagog*innen und etwa 5.000 Referendar*innen werden entlassen, obwohl die meisten zum neuen Schuljahr wieder in den Klassenzimmern stehen.

„Welcher andere Arbeitgeber schickt den gefragten Nachwuchs nach der Ausbildung erst einmal in die Arbeitslosigkeit? Was sollen junge Menschen von einem solchen Arbeitgeber denken? Durch Corona verschärft sich der bestehende Lehrermangel extrem, trotzdem präsentiert sich die grün-schwarze Landesregierung als Arbeitgeber ohne Verantwortung“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, in Stuttgart.

Die GEW setzt sich auch für einen schnellen weiteren Ausbau der Lehrerreserve ein. Diese sei mit knapp 1.900 Stellen bei geschätzten gut 6.000 dauerhaften Ausfällen schon vor Corona viel zu gering gewesen. „Jetzt müssen weitere Lehrkräfte wegen Corona von zu Hause aus arbeiten. Es rächt sich, dass die Landesregierung jahrelang gespart hat und nicht in eine ausreichende Vertretungsreserve investiert hat. Viele Gymnasiallehrkräfte wurden in den vergangenen Jahren nicht eingestellt. Sie sollte man schnell in die Klassenzimmer holen“, forderte Moritz.

Kein Bundesland wendet diese Praxis in diesem Ausmaß an. Im vergangenen Jahr haben angehende Lehrer*innen an 14 Ausbildungsseminaren gegen ihre Entlassung protestiert. Die Bildungsgewerkschaft GEW setzt sich dafür ein, dem Beispiel von Rheinland-Pfalz zu folgen, das seit 2019 die Saisonlehrkräfte in den Ferien bezahlt. Ein kleiner Fortschritt sei es, dass das Kultusministerium jetzt den fertigen Referendar*innen anbieten wolle, bereits während der so genannten Lernbrücken in den letzten beiden Sommerferienwochen zu arbeiten.

„Die befristet beschäftigten Lehrerinnen und Lehrer sind für die Schulen der Rettungsanker. Sie halten unter oft schwierigen Bedingungen und schlechterer Bezahlung als ihre Kolleginnen und Kollegen den Unterrichtsbetrieb in Baden-Württemberg aufrecht. Die meisten Referendarinnen und befristet Beschäftigten werden nach den Ferien wieder am Lehrerpult gebraucht, trotzdem schickt sie die Landesregierung in die Arbeitslosigkeit“, sagte die GEW-Landesvorsitzende.

Die „Saisonlehrer“ arbeiten in der Vertretungsreserve sowie in Vorbereitungsklassen (VKL) und in Klassen des Vorqualifizierungsjahrs Arbeit und Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen (VABO), in denen auch geflüchtete Kinder und Jugendliche unterrichtet werden. Für den überwiegenden Teil dieser Lehrkräfte enden die Arbeitsverträge am letzten Schultag. Noch 2008 lag die Zahl der befristet Beschäftigten bei 1.216, jetzt bei fast 4.000. Insbesondere in Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) arbeiten Lehrkräfte bis zu fünf Jahre ohne bezahlte Sommerferien. Nach Rechtsauseinandersetzungen wird ein kleiner Teil von ihnen jetzt endlich entfristet.