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Lehrergewinnung und gleichzeitig 750 Stellenstreichungen?

14.07.2017 - GEW-Pressemitteilung

Notlösungen zur Lehrergewinnung helfen nicht auf Dauer

(Zumeldung PK Kultusministerium, 14.07.17, Lehrergewinnung)

Stuttgart – Die Bildungsgewerkschaft GEW bezeichnet die Vorschläge zur Lehrergewinnung als enttäuschende Notlösungen, mit denen der Lehrermangel nicht auf Dauer zu bekämpfen sei. „Wer nicht nur Löcher für das nächste Schuljahr stopfen will, darf die Arbeitsbedingungen im Lehrerberuf nicht weiter verschlechtern, sondern muss Anreize und die notwendigen Studienplätze für die Lehrkräfte der Zukunft schaffen“, sagte am Freitag (14.07.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie bezeichnet es als alarmierend, dass es die Landesregierung nicht schafft, den Pflichtunterricht zum Beginn des neuen Schuljahrs sicherzustellen.

„Die grün-schwarze Landesregierung weiß bereits länger, dass die Schülerzahlen steigen und Lehrkräfte fehlen. Niemand versteht, warum sie trotzdem 750 Lehrerstellen streicht und nicht endlich die Studienplätze für Grundschul- und Sonderpädagogik weiter ausbaut. Genügend Pädagoginnen und Pädagogen für die Kleinsten im Land wird es auf Dauer nur geben, wenn die Grundschullehrkräfte wie bereits in einigen anderen Bundesländern genauso viel verdienen wie ihre Kolleginnen und Kollegen, die ab Klasse 5 am Lehrerpult stehen“, sagte Moritz. Die GEW geht nicht davon aus, dass der Lehrermangel an Grundschulen durch Gymnasiallehrkräfte dauerhaft behoben werden kann und hält die Qualifizierung für unzureichend.

Die GEW-Chefin bezeichnet es als Skandal, dass angesichts der sprudelnden Steuereinnahmen und des Lehrermangels in Baden-Württemberg im nächsten Jahr 750 Stellen weniger für den Unterricht zur Verfügung stehen. „Wenn ich das meinen Kolleginnen und Kollegen auf Bundesebene erzähle, fragen mich alle verwundert, was denn im reichen Baden-Württemberg in der Bildungspolitik los ist“, sagte Moritz.

„Insgesamt fehlen den Schulen zum Schuljahresbeginn am 11. September 750 Stellen. Wie will die Landesregierung glaubwürdig um Lehrernachwuchs werben, wenn sie diese Sparpolitik auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler sowie Eltern und der Lehrkräfte fortsetzt? Die Lehrerinnen und Lehrer wollen nicht ständig nur Lücken auf unseren Bildungs-Baustellen stopfen. Es macht den Beruf auch nicht attraktiver, wenn jetzt Druck auf Teilzeitkräfte ausgeübt wird und Beurlaubungen und Versetzungen erschwert werden“, sagte Moritz.

Die jetzigen Ausbildungskapazitäten in der Grundschule reichen nicht einmal aus, um die steigenden Schülerzahlen und die Pensionierungen bis 2030 aufzufangen. Und das, obwohl Baden-Württemberg in der Unterrichtsversorgung der Grundschulen auf dem 16. Platz von 16 Bundesländern steht.

Übersicht über Stellenstreichungen
Im kommenden Schuljahr gibt es 320 zusätzliche Stellen für die Grundschulen, die vor allem mehr Deutsch- und Mathematikunterricht gedacht waren, von denen jetzt aber die Hälfte für Inklusion eingesetzt wird. Neu dazu kommen auch 257,5 Stellen für die Realschulen. Gestrichen werden aber 633 Stellen auf der Grundlage von veralteten Schülerzahlprognosen, und etwa 280 Stellen, die für den Unterricht mit Geflüchteten in den letzten beiden Jahren geschaffen wurden. Dazu kommen 441 Stellen, die bereits die Grünen/SPD-Landesregierung durch Kürzungen bei der Altersermäßigung eingespart hatte, die aber Kultusminister Andreas Stoch für die Verbesserung der Unterrichtsversorgung eingesetzt hatte. Jetzt werden diese Stellen gestrichen.

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