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Lehrermangel ist hausgemacht

10.03.2017 - GEW-Pressemitteilung

GEW: Stellenstreichungen stoppen, Eingangsbesoldung angleichen

Zumeldung dpa/lsw 10.03.17: Lehrermangel

Stuttgart – Die Bildungsgewerkschaft GEW nennt den Lehrermangel in Baden-Württemberg „hausgemacht“ und wirft der Landesregierung vor, durch die Stellenstreichungen und die Absenkung der Eingangsbesoldung junge Menschen von der Entscheidung für einen pädagogischen Beruf abzuhalten.

„In den Klassenzimmern fehlen Lehrkräfte und die Landesregierung streicht Lehrerstellen, kürzt die Mittel für Lehrerfortbildung um eine halbe Millionen Euro und zieht den jungen Lehrkräften in den ersten drei Jahren acht Prozent von ihrem Gehalt ab. Statt dies endlich zu ändern, wird jetzt diskutiert, Ruheständler besser zu bezahlen, damit sie länger unterrichten. Das ist absurde Flickschusterei und keine nachhaltige Bildungspolitik“, sagte am Freitag (10.03.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Wirksamer wäre nach Einschätzung der GEW-Chefin die Verbesserung der Arbeits-bedingungen. „Obwohl sie erhebliche Einbußen hinnehmen müssen, gehen immer noch viele Lehrkräfte aus Frust und Überforderung vor Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand“, sagte Moritz.

Die Bildungsgewerkschaft weist darauf hin, dass die Schülerzahlprognosen und die Pensionierungszahlen „nicht vom Himmel fallen“, sondern eine bessere Planung des Lehrerbedarfs möglich ist. „Warum dauert es so lange, um einen Aufbaustudiengang Sonderpädagogik für Hauptschul-Lehrkräfte einzurichten, warum braucht man einen 1er-Schnitt im Abitur, um Grundschullehramt zu studieren? Offensichtlich hat das Starren auf die Schuldenbremse den Blick der Verantwortlichen in der Landesregierung so vernebelt, dass sie nicht mehr merken, was in den Klassenzimmern gebraucht wird und dass in den Hörsälen der Pädagogischen Hochschulen und Universitäten zu wenig pädagogische Profis ausgebildet werden“, sagte Moritz.

Die GEW nennt die Mitteilung des Kultusministeriums, es sei gelungen, „die Unterrichtsversorgung weitgehend zu gewährleisten“, eine Bankrotterklärung. „Ist es eine weitgehende Gewährleistung von Unterricht, wenn die Kinder statt um 11 erst um 12 Uhr früher nach Hause geschickt werden? Auch der vom Kultusministerium so bezeichnete ‚sachgerechte Ausgleich zwischen den Regionen‘ ist nichts anderes als die Verteilung des Mangels. Eltern, ihre Kinder und die überlasteten Lehrkräfte erwarten völlig zu Recht eine 100prozentige Lehrerversorgung und endlich eine ausreichende feste Lehrerreserve“, sagte Moritz.

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