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Lehrermangel: Notlösungen alleine reichen nicht

GEW: Verkürzung der Qualifizierung macht das Angebot nicht attraktiver

(Zumeldung PM Kultusministerium, 09.02.18, Lehrergewinnung)

09.02.2018 - GEW-Pressemitteilung

„Notlösungen wie das neue Angebot an Gymnasiallehrkräfte, an Grundschulen zu unterrichten, reichen für eine gute Bildungspolitik nicht aus. Wir brauchen endlich eine langfristige Lehrerbedarfsplanung, mehr Studienplätze und eine bessere Qualifizierung für den Quereinstieg“, sagte am Freitag (09.02.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der GEW.

Die GEW kritisiert, dass das Kultusministerium davon ausgeht, dass nach einer Pensionierungswelle ab 2021 wieder genügend Lehrkräfte an Grundschulen zur Verfügung stehen würden. Die 2017 vorgestellte Studie zum Lehrerbedarf an Grundschulen geht von einem Anstieg der Schülerzahlen an öffentlichen und privaten Grundschulen in Baden-Württemberg um etwa 45.000 Kinder bis zum Jahr 2030 aus. Im Oktober haben etwa 2.000 Studierende ein Lehramtsstudium an einer PH begonnen, darunter gut 1.000 angehende Grundschullehrkräfte. Die Landesregierung will nur 200 neue Studienplätze schaffen, benötigt werden aber nach der Studie des Bildungswissenschaftlers Prof. Klaus Klemm weitere 200 bis 300. Auch für die Sonderpädagogik müsste die Anzahl der Studienplätze erhöht werden.

„Mit der Verweigerung zusätzlicher Studienplätze zementiert die Landesregierung die schlechten Bedingungen an den Grundschulen, in der Sprachförderung, in der Inklusion und an SBBZ. Die Ausbildungskapazitäten in der Grundschule reichen nicht aus, um die steigenden Schülerzahlen und die Pensionierungen bis 2030 aufzufangen, geschweige denn, die Qualität zu verbessern. Und das wäre dringend nötig: Baden-Württemberg steht in der Unterrichtsversorgung der Grundschulen auf dem 16. Platz von 16 Bundesländern“, sagte Moritz.

Die Bildungsgewerkschaft nennt den Vorschlag, Gymnasiallehrkräften nach der Zeit an der Grundschule die Perspektive auf das Gymnasium zu eröffnen, grundsätzlich richtig, „um die Fehlplanungen der letzten Jahre etwas zu reparieren.“ „Das ist besser als Unterrichtsausfall, aber als isolierte Maßnahme weiter viel zu wenig. Warum ist das reiche Baden-Württemberg nicht in der Lage, Grundschullehrkräfte wie zum Beispiel in Berlin oder Brandenburg mit A13 zu bezahlen? Das haben die Grundschullehrkräfte verdient und es wäre für alle Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarstufe 1 attraktiver, in den Klassen 1 - 4 zu unterrichten“, sagte Moritz.

Die GEW hat bereits vergangenes Jahr die Qualifizierung für die Gymnasiallehrkräfte als unzureichend kritisiert. „Wie soll durch die jetzt geplante Schnellbleiche eine Lehrkraft in der Lage sein, Kindern, die vielleicht noch nicht einmal einen Stift halten oder kaum Deutsch können, das Lesen und Schreiben beizubringen? Methodik und Didaktik sind in der Grundschule völlig anders als im Gymnasium. Diese Notlösung auf dem Rücken der kleinsten Schulkinder im Land darf es nicht geben“, sagte Moritz.

Hilfreich wären auch bessere Arbeitsbedingungen für Grundschullehrkräfte statt ständiger Kritik. Dann würden weniger Lehrkräfte demotiviert vorzeitig in den Ruhestand gehen.

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