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Sparen oder gestalten?

GEW: Enquete-Kommission Qualitätsentwicklung einrichten

07.09.2016 - GEW-Pressemitteilung

Stuttgart – Die Bildungsgewerkschaft GEW erwartet von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der Landesregierung eine klare Position zur Finanzierung der Lehrerstellen. „Die Schülerzahlen steigen, die begonnenen Reformen sind unzureichend ausgestattet und alle Politiker versprechen mehr Qualität. Eine erste Voraussetzung dafür wäre, dass die Landesregierung mindestens auf die geplante Streichung der 1.733 Lehrerstellen bis 2020 verzichtet. Wer gestalten will, kann nicht auf Kosten der Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte sparen. Wer Unterrichtsqualität verbessern will, muss zuerst dafür sorgen, dass er stattfindet“, sagte am Mittwoch (07.09.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die GEW schlägt die Einsetzung einer Enquete-Kommission „Fortbildung und Qualitätsentwicklung an allgemeinbildenden Schulen“ vor. „Ein guter Arbeitgeber sorgt dafür, dass seine Beschäftigten ihre Arbeit gut machen können. Dass das im Schulbereich nicht so ist, sorgt für Unmut, Unzufriedenheit, auch für Widerstand gegen Veränderungen bei den Lehrkräften und zu Beschwerden über die mangelnde Qualität bei den Eltern. Die Enquetekommission soll dafür sorgen, dass Qualifizierungsangebote verbessert, koordiniert und ausgebaut werden“, sagte Moritz.

Die GEW rechnet damit, dass es im neuen Schuljahr aufgrund der guten Lehrereinstellung nicht genügend Vertretungslehrkräfte geben wird und sich die Eltern auf mehr Unterrichtsausfall einstellen müssen. „Die Zahl von 6.600 neuen Lehrkräften, die in den Klassenzimmern starten, ist eine gute Nachricht für die Bewerberinnen und Bewerber und die Schulen. Unser Einsatz gegen die Sparpolitik und für eine ausreichende Grundausstattung der Schulen hat sich gelohnt. Ich kann mich jedoch nicht erinnern, dass zum Schuljahresbeginn so viele Stellen nicht besetzt werden konnten. Wir brauchen mehr feste Stellen für die Lehrerreserve. Befristete Verträge können wir uns nicht mehr leisten, um die Unterrichtsversorgung zu sichern“, sagte Moritz.

Der Großteil der neuen Stellen sind Ersatzeinstellungen für Lehrkräfte, die in den Ruhestand gegangen sind. Im vergangenen Jahr wurden neben der ständigen Lehrerreserve von 1.666 Stellen 3.792 befristet Beschäftigte für Vertretungen und andere Aufgaben eingestellt. Aufgrund der hohen Zahl von Schwangerschaften rechnet die GEW nicht damit, dass erneut ausreichend Vertretungen gefunden werden können.

Die GEW erwartet von Grünen und CDU, dass sie die seit Jahren vernachlässigten Grundschulen stärkt und das vorhandene Schulsystem offensiv weiter gestaltet. „Die derzeit verbreitete Devise „alles ist möglich“ ist keine zukunftsweisende Bildungspolitik. Die weiterführenden Schulen neben den Gymnasien brauchen eine klare Perspektive“, sagte Moritz.

Versprochene Qualifizierung für Hauptschullehrkräfte: Rechtsstreit droht

Die GEW-Chefin befürchtet, dass die mehrfach zugesagte Qualifizierung für Hauptschullehrkräfte doch nicht in diesem Herbst startet. „Täglich melden sich bei uns betroffene Lehrkräfte und fragen nach dem Qualifizierungsprogramm. Wir wissen, dass das Konzept bereits seit einem knappen Jahr vorliegt und verstehen nicht, warum immer noch nicht mit der Umsetzung begonnen wurde“, sagte Moritz. Dem Land droht hier sogar ein Rechtsstreit. Etwa 2.500 Hauptschullehrkräfte arbeiten bereits an Gemeinschafts-, Realschulen und Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren. Die Hauptschullehrkräfte an den Realschulen haben nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts einen Anspruch auf Qualifizierungsangebote.

Neuer Aufbaustudiengang Sonderpädagogik

Die GEW schlägt vor, schnell einen Aufbaustudiengang für Sonderpädagogik einzurichten, der für Lehrkräfte der Grund- und Hauptschulen attraktiv ist. „Der Mangel bei den Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen ist hausgemacht, denn Inklusion ist nicht plötzlich vom Himmel gefallen. Dort gibt es schon länger einen Lehrermangel. Richtig und wichtig sind die zusätzlichen Stellen für die Gymnasien, Real- und Grundschulen. Die Grundschulen bleiben aber trotzdem die einzige Schulart ohne sogenannte Poolstunden. Gerade angesichts der vielen geflüchteten Kinder, der Inklusion und dem Ausbau der Ganztagsschulen muss für diese Schulart mehr getan werden“, sagte Moritz.

Zweiter Berufsschultag in der Dualen Ausbildung

Die Bildungsgewerkschaft GEW setzt sich für einen zweiten Berufsschultag ein, um die duale Ausbildung in Baden-Württemberg attraktiver zu machen. „Die Zahl der Jugendlichen, die sich für eine duale Ausbildung entscheiden, ist seit Jahren rückläufig. Mit einem zweiten Berufsschultag wäre es für viele Azubis einfacher, die Fachhochschulreife oder den mittleren Bildungsabschluss zu erreichen. Damit würden Ausbildungen wieder attraktiver werden und es könnte ein Schritt gegen den Fachkräftemangel gemacht werden“, sagte Moritz.

60 Jahre GEW BW – 50.000 Mitglieder – 5 Vorsitzende – 12 Kultusminister/innen

Die GEW Baden-Württemberg feiert in diesem Jahr ihr 60jähriges Bestehen und hat mit 50.000 Mitgliedern so viele Mitglieder wie nie zuvor. Die GEW hat auch bundesweit mit 270.000 Mitgliedern steigende Mitgliedszahlen. Der GEW-Landesverband im Südwesten ist der größte in Deutschland. Seit der Gründung aus ehemaligen Lehrerverbänden im Jahr 1956 standen fünf GEW-Vorsitzende an der Spitze der Organisation, die im gleichen Zeitraum 12 Kultusminister/innen erlebten.

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