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QualitätsentwicklungUmbau der Schulverwaltung wirft Fragen auf

Die GEW bezeichnet das vom Land vorgestellte Konzept zur Qualitätsverbesserung an den Schulen als intransparent. Es fehlen nicht nur Aussagen zur Bezahlung der Fortbildner, sondern auch Organigramme, Stellen- und Finanzierungspläne.

16.10.2018 - GEW-Pressemitteilung

Die Bildungsgewerkschaft GEW erwartet konkrete schnelle Schritte zur Qualitätsverbesserung an den Schulen und will nicht weiter „mit Reformen vertröstet werden, von denen niemand weiß, ob und wann sie wirken. Warum nimmt Grün-Schwarz nicht sofort die Kürzung von Lehrerfortbildungsmitteln aus 2017 zurück und zahlt den Fortbildern mehr als 38,81 Euro im Monat? Das wären Maßnahmen, die sofort wirken können“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, in Stuttgart.

Im heute vorgestellten Konzept vermisst die GEW-Chefin nicht nur Aussagen zur Bezahlung der Fortbildner, es fehlen auch Organigramme, Stellen- und Finanzierungspläne für die neuen Strukturen.

Bei den meisten Fortbildungen erhalten die Leitungen derzeit nur 38,81 Euro brutto pro Monat zusätzlich. Deshalb ist es oft schwer, dafür qualifizierte Personen zu finden, die Fluktuation ist groß. Die GEW setzt sich dafür ein, dass in allen Schularten der Beruf des Fortbildners attraktiv gestaltet wird und alle Fortbildner wie bei den Beruflichen Schulen und Gymnasien nach der Besoldungsgruppe A 15 zu bezahlen.

Unbesetzte Stellen in der Schulverwaltung führen zu Engpässen

Nicht besetzte Stellen in der baden-württembergischen Schulverwaltung führen dazu, dass es bereits aktuell zu Engpässen kommt. Etwa 20 Prozent der Schulratsstellen sind derzeit nicht besetzt, an einzelnen Schulämtern bis zu 50 Prozent. „Die Schulen werden aktuell bei der Qualitätsentwicklung im Stich gelassen, weil sie nicht die notwendige fachliche Unterstützung aus der Schulverwaltung bekommen. Die Verantwortlichen zerschlagen derzeit die bestehenden Strukturen, bevor neue aufgebaut werden und verschlechtern die Arbeitsbedingungen. Die derzeit nicht besetzten Stellen insbesondere an den Staatlichen Schulämtern und den Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung müssen schnell ausgeschrieben und besetzt werden“, sagte Moritz.

Die GEW setzt sich dafür ein, dass die vorhandenen Ergebnisse der Projektgruppen und der Lenkungsprozess der Reform endlich veröffentlicht werden. Der wissenschaftliche Beirat, den das Kultusministerium eingesetzt hat, will seit Monaten diese so genannten „Policy-Briefe“ veröffentlichen.

„Offenbar will die Kultusministerin hier nicht für Transparenz sorgen. Die eingesetzten Arbeitsgruppen für die Erarbeitung des Konzepts durften nicht miteinander reden, von einer Zusammenarbeit der 120 Akteure kann nicht die Rede sein. Die Landesregierung riskiert so, dass am 1. Januar 2019 vielleicht eine neue Struktur besteht, es aber noch Jahre dauern wird, bis in den Klassenzimmern davon etwas zu spüren ist. Der Erfolg der Reform hängt davon ab, ob für die Betroffenen ein Klima der Unterstützung oder der Kontrolle und Angst entsteht. Derzeit erlebe ich in meinen vielen Gesprächen in der Schulverwaltung, mit Fortbildnern und Lehrkräften eine große Verunsicherung“, so die GEW-Chefin.

Kürzung der Gelder für Lehrerfortbildung um 500.000 Euro

„Ein guter Schritt für ein Qualitätskonzept an Schulen wäre es, wenn Grüne und CDU als ersten Schritt die Kürzung der Gelder für Lehrerfortbildung um 500.000 Euro aus dem Jahr 2017 rückgängig machen würden. Jede Woche erleben Lehrkräfte, dass sie nicht an Fortbildungen teilnehmen können, weil es nicht genügend Plätze gibt. Das bisher vorgestellte Konzept für den Umbau der Schulverwaltung enthält mehr Fragen als Antworten. Neue Strukturen garantieren keine bessere Qualität. Es geht darum, Schulverwaltung und Fortbildner konsequent für neue Aufgaben zu qualifizieren“, sagte Moritz.

2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind betroffen

Das Institut für Bildungsanalysen und das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung sollen künftig die Qualitätsentwicklung und Lehrerfortbildung für etwa 120.000 Lehrkräfte in Baden-Württemberg steuern. Die Regierungspräsidien und die Staatlichen Schulämter sollen sich künftig auf Aufsicht und Steuerung der Unterrichtsversorgung konzentrieren.

„2.000 Personen bekommen einen neuen Arbeitsplatz, noch weiß niemand wo und was sie dort machen sollen. Der Umbauprozess wird sich Jahre hinziehen und die Arbeit beeinträchtigen. Der Übergang müsste konstruktiv gestaltet werden. Stattdessen werden die bestehenden Strukturen zerschlagen, bevor die neuen entwickelt sind. Leitungsstellen der Staatlichen Seminare werden nicht mehr ausgeschrieben, Schulratsstellen nicht oder nur sehr zögerlich besetzt. Auch die Beschäftigten in der Schul- und Kultusverwaltung brauchen funktionierende Dienststellen. Sonst können sie ihre Arbeit für die Schulen nicht machen. Eine echte Unterstützung der Schulen ist noch lange nicht in Sicht“, sagte die Landesvorsitzende.

Fortbildungsangebote ausbauen

Die GEW hat auch Vorschläge für schnell wirkende Maßnahmen: „Jeder weiß, dass zum Beispiel der hohe Anteil von fachfremdem Unterricht insbesondere in den Grundschulen für schlechte Ergebnisse in Mathematik und Deutsch mitverantwortlich ist. Das ließe sich schnell ändern, wenn die Kultusministerium sich nicht wie in den vergangenen zehn Jahren weiter weigert, hier Fortbildungen anzubieten“, so Moritz.

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