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Wahlversprechen auf dem Prüfstand: Bildungsreformen fortsetzen

GEW: Gute Bildung braucht Ressourcen – keine Stellenstreichungen

01.02.2016 - GEW-Pressemitteilung

Stuttgart – Die Bildungsgewerkschaft GEW gibt den Parteien im Landtagswahlkampf Hausaufgaben auf: „Es sind bis zur Wahl am 13. März noch 42 Tage Zeit, um den Wählerinnen und Wählern zu sagen, wie die eingeleiteten Reformen in Kitas, Schulen, Hochschulen und der Weiterbildung fortgeführt und finanziert werden sollen. Knapp 4 Millionen Väter und Mütter von Kindern und Jugendlichen in Kitas und Schulen wollen Investitionen für die Bildung. In den vergangenen Jahren ist ein Reformstau aufgelöst worden. Jetzt gilt es, die pädagogischen Profis zu unterstützen, damit die begonnenen Projekte erfolgreich fortgesetzt werden können. Für eine Streichung von Lehrerstellen sehe ich in der nächsten Wahlperiode keinen Spielraum“, sagte am Montag (01.02.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Derzeit ist es zum Teil schwierig, Lehrerstellen zu besetzen. Die GEW erwartet klare Aussagen, wie der Lehrerbedarf gedeckt werden kann. „Seit Januar haben mehr als 5.000 junge Frauen und Männer ihren Vorbereitungsdienst oder ihr Referendariat an allen Schularten des Landes begonnen. Die Schulen brauchen sie und die angehenden Lehrkräfte brauchen eine klare Perspektive. Wer verhindern will, dass bei uns ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer abwandern, muss die abgesenkte Eingangsbesoldung zurück nehmen“, sagte Moritz.

Die GEW-Landesvorsitzende bezeichnet die aktuellen Auseinandersetzungen um die schulischen Veränderungen in Baden-Württemberg als „hoch emotional und oft unsachlich“. „Unser Schulsystem ist ein komplexes Gebilde. Es ist eine Illusion zu glauben, dass man die bestehenden Schularten je für sich betrachten und vertreten kann. Jedes Drehen an einer Schulartschraube hat Auswirkungen auf die anderen. Jede Partei muss sich mit ihrem Bildungskonzept daran messen lassen, ob es auch für die leistungsschwachen und benachteiligten Schülerinnen und Schüler eine wohnortnahe, leistungsstarke und gerechte Schule bietet. Das Bildungsangebot muss an Schulabschlüssen und nicht an Schularten ausgerichtet sein“, sagte Moritz.

 

Bildungspolitische Sackgasse G9

Als Beispiel nennt die GEW-Chefin den Plan von CDU und FDP, Wahlfreiheit zwischen dem acht- und neunjährigen Gymnasium anzubieten. „G8 und G9 gleichzeitig anzubieten, wäre eine bildungspolitische Sackgasse mit unüberschaubaren finanziellen Mehrbelastungen. Ein vermeintlich leichteres Erreichen des Abiturs würde die Leistungsbandbreite am Gymnasium verstärken. Es würde außerdem die Realschulen, Gemeinschaftsschulen und beruflichen Gymnasien schwächen, weil es ihnen die starken Schülerinnen und Schüler wegnimmt. Die Weiterentwicklung des G8 ist konsequent und die beste Unterstützung der Lehrkräfte und der Schülerinnen und Schüler“, sagte Moritz.

 

Befristet beschäftigte Lehrer/innen in den Ferien bezahlen

Die GEW begrüßt, dass SPD, Grüne und CDU eine bessere Bezahlung der befristet beschäftigten Lehrkräfte im Wahlprogramm haben. Derzeit werden 2.000 - 3.000 Lehrer/innen pro Jahr mit Beginn der Sommerferien arbeitslos.

 

Lücken in den Wahlprogrammen: Vertretungsreserve, Arbeitsbedingungen, Schulleitungen

Die GEW vermisst in den Wahlprogrammen ein Konzept zum Umgang mit dem großen Vertretungsbedarf, der unter anderem durch Schwangerschaft und Krankheit entsteht und voraussichtlich weiter wachsen wird.

„In keinem Wahlprogramm ist die Rede davon, dass die Verschlechterungen der grün-roten Landesregierung wie die Kürzung der Altersermäßigung und die Kürzung von Stunden für besondere Aufgaben rückgängig gemacht werden. Bei CDU und FDP kommen die Arbeits-bedingungen der allgemeinbildenden Schulen überhaupt nicht vor, SPD und Grüne haben immerhin die Situation der Grundschulen im Blick. Gute Bildung geht nur mit guten Arbeits-bedingungen für die Beschäftigten“, sagte Moritz.

Die Bildungsgewerkschaft erwartet Aussagen zur Situation der Schulleitungen kleiner Schulen. „Der Kultusminister hat hier einen ersten wichtigen Schritt zur Entlastung der Schulleitungen gemacht, doch es fehlen weiter für viele Stellen Bewerberinnen und Bewerber. Die Stellen müssen besser bezahlt und die Leitungszeit erhöht werden, wie es der Landesrechnungshof 2014 in seinem Gutachten in Bezug auf die Ausstattung kleiner Schulen klar formuliert hat“, sagte Moritz.

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