GEW Baden-Württemberg
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Warnstreiks TVÖD: Gute öffentliche Dienstleistungen gehen nicht mit Almosen

GEW: Erzieher/innen und Sozialarbeiter/innen streiken mit

21.04.2016 - GEW-Pressemitteilung

Stuttgart – Die Bildungsgewerkschaft GEW in Baden-Württemberg nennt das Angebot der Arbeitgeber für den Öffentlichen Dienst eine Provokation. „Mit der angebotenen Gehaltserhöhung um ein Prozent ab Juni 2016 könnte eine Erzieherin gerade einmal Pizza essen gehen. Die Beschäftigten in den Kitas und im gesamten öffentlichen Dienst stemmen täglich neue Herausforderungen und haben ohne einen Cent mehr bei der Integration von Geflüchteten Außergewöhnliches geleistet. Das angebotene Almosen der Arbeitgeber ist eine Geringschätzung der geleisteten Arbeit und verschärft den Nachwuchsmangel in vielen Bereichen“, sagte am Donnerstag (21.04.) Michael Futterer, stellvertretender Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg bei einer Kundgebung in Freiburg.

Mit vielen regionalen Warnstreiks im gesamten Bundesgebiet werden die Gewerkschaften auch in Baden-Württemberg bis zum Beginn der dritten Verhandlungsrunde Ende nächster Woche ein klares Zeichen an die Arbeitgeberseite senden, endlich mehr als nur Almosen anzubieten. An den Warnstreiks beteiligen sich viele bei ver.di und in der GEW organisierte Erzieher/innen, Sozialarbeiter/innen und andere pädagogische Fachkräfte in den kommunalen Kindertagesstätten und Jugendhilfeeinrichtungen. Schwerpunkte der Streiks liegen heute (21.04.) in Freiburg und Karlsruhe. Morgen wird unter anderem in Mannheim und Heilbronn gestreikt. In der nächsten Woche werden unter anderem in Stuttgart (25.04), Esslingen (26.04.) und Reutlingen (27.04.) sowie den jeweils umliegenden Gemeinden Beschäftigte zu Warnstreiks aufgerufen.

Die GEW fordert gemeinsam mit ver.di und den anderen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes 6 Prozent mehr Gehalt für die Beschäftigten der Kommunen und des Bundes. In der zweiten Verhandlungsrunde hatten die Arbeitgeber angeboten, die Gehälter zum 1.

Juni 2016 um 1 Prozent und ein Jahr später um 2 Prozent anzuheben und gefordert, die Beiträge der Beschäftigten für die betriebliche Altersvorsorge zu erhöhen.

 

Hintergrundinformationen:

Tarifrunde betrifft über 80.000 pädagogische Fachkräfte in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es (Stat. Landesamt, Stand 2015) 8.710 Kindertageseinrichtungen, in denen 93.123 Personen beschäftigt sind, davon knapp 79.600 als pädagogische Fachkräfte, die 406.000 Kinder betreuen und fördern. Die anderen Beschäftigten arbeiten als freigestellte Leitung, im Verwaltungsdienst und in der Hauswirtschaft. 42 Prozent der Kitas haben öffentliche Träger. Bei den Beschäftigten der freien Träger hat die Caritas mit 45 Prozent gefolgt von der Diakonie mit 32 Prozent den größten Anteil. Das Ergebnis der Tarifrunde gilt direkt zwar nur die Beschäftigten bei den Kommunen, wird in der Regel aber von den Kirchen und anderen freien Träger von Kindertagesstätten und Jugendhilfeeinrichtungen übernommen.

Milliardeneinnahmen ermöglichen Gehaltsplus

Das Geld für eine ordentliche Gehaltssteigerung ist da. Die Kommunen haben im letzten Jahr deutschlandweit mehr Einnahmen als Ausgaben verzeichnet. Im Westen der Republik erzielten sie bis zum dritten Quartal einen Finanzierungsüberschuss von 900 Millionen Euro. Nach aktuellen Prognosen des Arbeitskreis Steuerschätzung werden die Steuereinnahmen in den nächsten Jahren kontinuierlich um drei bis vier Prozent per anno steigen.

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