GEW Baden-Württemberg

Berichte der GEW Schwarzwald-Baar

Nachteilsausgleich – Ungleiches nicht gleich behandeln

Zum Thema „Nachteilsausgleich – Theorie und Praxis“ bot die GEW Schwarzwald-Baar-Kreis am 20.04. um 18.00 Uhr in der Goldenbühlschule in Villingen-Schwenningen eine Fortbildungsveranstaltung für LehrerInnen aller Schularten an. Referent war wieder Sebastian Goehl, GWRS-Lehrer, Mitglied des Kreisvorstands und Mitarbeiter der ASKO, der Arbeitsstelle Kooperation im Staatlichen Schulamt in Donaueschingen.

Die beiden Kreisvorsitzenden Ruth Schütz-Zacher und Markus Schütz begrüßten die Anwesenden und bedankten sich beim Referenten für die Bereitschaft, aus seiner Arbeit in der ASKO zu berichten. Zunächst wurden die Grundlagen für den NTA (Nachteilsausgleich) geklärt. Jeder Mensch ist vor dem Gesetz gleich. Bei ungleichen Voraussetzungen kann es nötig werden, individuelle Nachteile auszugleichen, um das Recht an Teilhabe für alle zu stärken. Der NTA ist für SchülerInnen aller Schularten möglich und zwar in allen Klassenstufen, auch in Prüfungen bis hin zum Abitur. Es geht darum, unterrichtliche, pädagogische oder schulorganisatorische Maßnahmen zu treffen, die es benachteiligten SchülerInnen ermöglichen, dennoch das Anforderungsprofil der jeweiligen Schulart zu erfüllen.

Um einen NTA zu gewähren, bedarf es keines ärztlichen Attests oder dgl., es genügt ein Beschluss der Klassenkonferenz unter Vorsitz der Schulleitung. Selbstverständlich ist es oft hilfreich, Fachleute wie BeratungslehrerInnen oder MitarbeiterInnen der ASKO hinzuzuziehen. Und selbstverständlich sollten die Eltern mit ins Boot geholt werden. Überhaupt ist der NTA am erfolgreichsten, wenn gegenüber allen Beteiligten die größtmögliche Transparenz herrscht. Anhand eines Beispiels aus seiner Praxis zeigte nun Sebastian Goehl die möglichen Maßnahmen eines NTA auf.  Schulorganisatorische Maßnahmen können z.B. die Schalldämmung von Räumen oder barrierefreie Zugänge sein. Technische Hilfen können Seh- oder Hörhilfen sowie ein Laptop sein. Didaktisch-methodische Maßnahmen wären besonderes Unterrichtsmaterial, differenzierte Aufgabenstellungen oder Zeitzugaben. Bei Leistungserhebungen gibt es Möglichkeiten der Prüfungsassistenz, die Zulassung technischer Hilfsmittel, Zeitverlängerungen usw.

Ist der NTA beschlossen, ist der Beschluss für alle in der Klasse unterrichtenden KollegInnen bindend. Immer wird auch eine zeitliche Begrenzung gemacht, um zu kontrollieren, ob die Maßnahmen greifen und wie lange sie fortgeführt oder angepasst werden sollen. Bei allen Hilfestellungen muss aber das erforderliche Leistungsniveau der Klassenstufe erhalten bleiben und darf nicht abgesenkt werden. Deshalb wird ein NTA auch nicht im Zeugnis vermerkt. Da liegt auch die klare Abgrenzung eines NTA zum Ausgleich bei einer LRS oder Dyskalkulie. Bei diesen vorliegenden Schwächen können die Leistungsanforderungen für die betroffenen SchülerInnen zeitweise abgesenkt werden und auch die Gewichtung bei der Notengebung kann anders sein. Diese Maßnahmen müssen dann aber im Zeugnis vermerkt werden. Ein zieldifferenter Unterricht ist nur für SchülerInnen, bei denen ein Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungsangebot im Bereich Lernen oder geistige Entwicklung diagnostiziert wurde, bei inklusiver Beschulung möglich. Die verschiedenen Ausgleichsmaßnahmen können auch kombiniert werden, müssen aber klar benannt und auseinandergehalten werden.

Um die verschiedenen Maßnahmen sauber abgrenzen zu können, wurden Zuordnungen in Gruppenarbeit geübt und besprochen. Ebenfalls hilfreich waren die vom Referenten zur Verfügung gestellten schriftlichen Handreichungen, die Auflistung versch. Hilfsmaßnahmen und ein Dokumentationsbogen. Danach gab es noch Gelegenheit zur Diskussion von Fällen oder Problemen aus der Praxis, wovon kräftig Gebrauch gemacht wurde. Auch hier konnte Sebastian Goehl aus seiner Erfahrung mit der Arbeit in der ASKO viel Klärendes und Hilfreiches beitragen, sodass er nach 2-stündiger gemeinsamer Arbeit mit großem Beifall verabschiedet wurde.

Der Nachteilsausgleich in Theorie und Praxis

Am 9.4.19 lud die GEW Schwarzwald-Baar zu einer Fortbildung zum Thema Nachteilsausgleich in die Eichendorffschule Donaueschingen ein. Dabei wurde deutlich, welche formalen Wege beim Nachteilausgleich vorgesehen sind und welche pädagogische Verantwortung die Lehrpersonen für ihre Schüler tragen.

Nachdem der Kreisvorsitzende Markus Schütz noch einige Worte zur anstehenden Personalratswahl voranstellte und der Referent Sebastian Goehl daran anschloss, tauchten wir  schnell in das Thema ein. Zunächst wurden die theoretischen Voraussetzungen eines Nachteilsausgleichs besprochen und der Unterschied eines Nachteilsausgleichs mit und ohne Notenschutz näher erläutert. Anschließend zeigte der Referent anhand eigener, praxisnaher Beispiele, wie vielschichtig und komplex die Thematik sein kann und welche Verantwortung damit einhergeht. Um den Überblick über den Einzelfall behalten zu können, bekamen alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen exemplarischen Ablauf an die Hand, den man für jeden Einzelfall verwenden kann, um die nächsten Schritte zu planen. Abschließend beantwortete Sebastian Goehl die Anfragen der Anwesenden, die aus allen Schularten kamen und machte noch einmal deutlich, dass ein Nachteilsausgleich mit Notenschutz nicht nur für LRS, sondern auch für andere Bereiche dringend angezeigt ist. Dafür macht sich die GEW weiterhin stark und trägt diese Forderung mit in die nächste Personalratsversammlung.

Schulbegehung der Konrad-Witz-Schule Rottweil

Am Donnerstag, den 28.03.19 lud der DGB-KV Schwarzwald-Baar zu einer „Betriebsbesichtigung“ an der Konrad-Witz-Schule ein. An dieser nahmen Vertreter der Mitgliedsgewerkschaften auf dem Schwarzwald-Baar-Kreis und aus dem Kreis Rottweil teil. Im Fokus dieser Betriebsbesichtigung bzw. Schulbegehung standen Themen wie Arbeitsbelastungen in sowie die Ausstattung von Schulen.

Zu Beginn begrüßte Rektor Willy Schmidt die Gewerkschafter/innen und stellte die bisher geleistete Arbeit der Schule vor. Dabei sprach er auch von den Aufgaben, die eine Gemeinschaftsschule im Aufbau hat sowie von der wichtigen Unterstützung durch die Kommune.

Anschließend durften die Anwesenden je ein Klassenzimmer einer zweiten und einer siebten Klasse der Kolleginnen Eva Natschke und Sabine Kolk besichtigen. Sie konnten eindrücklich vermitteln, wo die Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen und wie essentiell Unterstützungssysteme dabei sind - zwischen den Lehrkräften, in der Schule, aber auch durch die passende Ausstattung. Gerade der Ganztagesbereich des Konrad-Witz-Schule lebt vom besonderen Engagement der Lehrkräfte sowie des Betreuungspersonals.

Nach einer kurzen Stärkung konnten die Gäste noch weitere Fragen an Rektor Willy Schmidt sowie die anwesenden Lehrerinnen stellen. Dabei wurde klar, dass alte Forderungen wie. z.B. ein abgesenkter Klassenteiler immer noch hochaktuell sind, um die vielfältigen Aufgabenfelder angemessen bewältigen zu können. Einig wurde man sich auch darin, dass die tolle Arbeit, die an der Konrad-Witz-Schule ebenso wie an anderen Schulen geleistet wird, auf dem Rücken der engagierten Lehrkräfte getragen wird, die oft über ihre wöchentliche Arbeitszeit hinaus arbeiten. Die großartigen Leistungen der Lehrkräfte und weiteren am Schulleben beteiligten Personen lässt sich auf lange Sicht nur durch finanzielle und zeitliche Unterstützung durch das Land aufrechterhalten.

 

So fordert die GEW nachdrücklich:

  • Eine Krankheitsvertretung muss fest installiert werden. Diese müssen einerseits zentral von Seiten des Schulamtes gesteuert werden und andererseits an großen Schulen permanent vorhanden sein.
  • Die Zahl der Schülerinnen und Schüler pro Klasse muss in allen Schularten gesenkt werden. So kann besser auf den einzelnen Schüler / die einzelne Schülerin eingegangen werde und der Lärmpegel sinkt beträchtlich.
  • Inklusive Bildungsangebote stellen nach wie vor eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten dar. Gerade hier ist eine zweite Lehrkraft und / oder eine weitere erwachsene Person zur Unterstützung dringend notwendig. Die Doppelbesetzung in inklusiven Bildungsangeboten darf nicht länger die Ausnahme bleiben, sondern muss zum Standard werden!

Neugestaltung der Oberstufe an beruflichen Gymnasien

Am 12. März 2019 lud die GEW Schwarzwald-Baar zu einer Informationsveranstatung über die Herausforderungen und Entwicklungen im Bereich der beruflichen Gymnasien ein. Als Referenten konnten wir Michael Futterer aus dem Landesvorstand der GEW Baden-Württemberg gewinnen.

Zunächst informierte Michael Futterer die Anwesenden über die bisherigen Entwicklungen, basierend auf der Entwicklung der Schülerzahlen und den Übergängen auf die weiterführenden Schularten mit Fokus auf die Sekundarstufe II. Anschließend standen aktuelle Herausforderungen im Fokus, die auf der Problematik rund um die Ausgestaltung der Fächer auf grundlegendem bzw. erhöhtem Niveau entstanden sind. Eine große Herausforderung sah der Referent in dem Wunsch der KMK, die Abiturprüfungen möglichst weit anzugleichen, die v.a. an den baden-württembergischen in Relation zu den anderen Bundesländern späten Sommerferien sowie an dem bundesweit einmalig hohen Korrekturaufwand liege.

In einer abschließenden Diskussionsrunde konnten noch einige Fragen geklärt werden, andere ließen sich aufgrund der ausstehenden politischen Entscheidung nicht beantworten. Die GEW wird sich weiterhin für die Stärkung der beruflichen Gymnasien sowie ihrer Schüler und Lehrer einsetzen.