GEW Baden-Württemberg
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Menschenrechte auf dem Rückzug – in eine neue Epoche der Unfreiheit?

für alle GEW-Mitglieder

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Regierungen, die von autoritären politischen oder religiösen Dogmen geleitet werden, um 30 Prozent gestiegen. Von Jahr zu Jahr wird die Pressefreiheit in mehr und mehr Ländern der Welt eingeschränkt. Auch der Spielraum für die Organisationen der Zivilgesellschaft wird immer kleiner – in über 50 Ländern gibt es inzwischen sogenannte „Agentengesetze“ gegen humanitäre Hilfsorganisationen, Menschenrechtsgruppen oder Stiftungen. Auch in der EU nehmen menschenrechtswidrige Tendenzen und rechtspopulistische Bewegungen zu.

Während bis in die 90er Jahre der Eindruck herrschte, dass sich in immer mehr Staaten ein immer besserer Schutz der Menschenrechte durchsetzen würde, scheint sich mit Beginn des neuen Jahrhunderts die Entwicklung umgedreht zu haben: immer neue Krisenherde, Kriege und instabile Staaten bedrohen die Menschenrechte und schränken die Handlungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft ein – wie gehen wir in der Menschenrechtsbildung damit um?

Inhalte, die im Seminar berührt werden:

  • Praktische Tipps für die Menschenrechtsbildung: Man muss nicht alles selber machen: der Workshop gibt praktische und organisatorische Hinweise für die Menschenrechtsbildung in Zusammenarbeit mit Praxiserfahrenen Fachleuten aus der eigenen Region und für den Umgang mit Gästen im Unterricht.
  • Flucht und Trauma: Etwa 40 Prozent der Flüchtlinge in Europa sind Folterüberlebende oder wurden durch andere Formen der Gewalt, etwa als zivile Opfer von Kriegen oder durch Erlebnisse auf der Flucht, schwer traumatisiert. Kinder und Jugendliche sind besonders hart betroffen. Der Workshop bietet Einblicke in die Hintergründe und gibt Vorschläge für den Umgang mit traumatisierten jugendlichen.
  • Kulturelle Identität und Integration: Gibt es Grenzen der Toleranz? In vielen Ländern Europas nehmen kulturelle Konflikte zwischen Migranten und der einheimischen Bevölkerung zu, zahllose Diskussionen entzünden sich rund um Stichworte wie Kopftuchverbot, Zwangsheirat, Ehrenmorde, Religionsfreiheit, Ghettoisierung, Minarettverbote, „Überfremdung“ ... – Der Workshop beleuchtet aus der Sicht der Menschenrechtserklärung und des Grundgesetzes die Fragen des Umgangs mit den Rechten auf kulturelle Identität und auf Freiheit der Religionsausübung und widmet sich der zentralen Frage der Integration – nämlich was genau „Integration“ meint und welche die Kultur ist, in die Menschen integriert werden sollen.
  • Politisches Framing – oder: Politische Sprache und ihre (heimliche) Macht. Gesellschaftliche Veränderungen verlaufen in der Regel nicht abrupt, sondern werden mit sprachlichen Elementen vorbereitet und lanciert. Es ist also höchste Zeit, „Sprachbilder“ und ihre (heimliche) Macht zu erkennen, die Strategien dahinter aufzuspüren und sich mit praktischen Gegenstrategien zu befassen.
  • Rassismus und Antisemitismus heute: Rassismus ist weder natürlich noch universell – also nicht über-historisch –, sondern ein Produkt menschlicher Kultur. Rassismus ist ein Element des menschlichen Denkens, eine Form des menschlichen Handelns und damit ein durch und durch historisches Phänomen. Das heißt: Rassismus ist nicht irreversibel. Im Gegenteil: Er ist wandelbar und hat sich im Laufe der Geschichte auch tatsächlich immer wieder gewandelt. Welche aktuellen Formen und Spielarten hat er heute? Und wie könnten „Performances gegen Rassismus“ aussehen? 
  • Volk, Volksgemeinschaft, völkisch – Wer sind „Wir“, und wer  „Die Anderen“? „Wir sind das Volk“ heißt es heute bei Kundgebungen der „Neuen Rechten“. Was ist das für ein „Volk“, das da beschworen wird? Volk als Nation, als Abstammungs-, Schicksals- und Kulturgemeinschaft, und nicht bloß als Gesellschaft von freien Bürgern, das bleibt das toxische Potenzial des neuzeitlichen Volksbegriffs. (…) Jeder Schrei „Wir sind das Volk“ enthält etwas von ausgrenzender Gewaltsamkeit. (Süddeutsche Zeitung, 04.05,2016)
Termin
09.02.2019, 10:00 - 17:00 Uhr
Veranstaltungsort
Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm
Wagnerstr. 65
89077 Ulm
Teilnahmebeitrag
kostenfreie Teilnahme; nur für GEW-Mitglieder
Anmeldeschluss
28.01.2019
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Ansprechpartner_in
Monika Dehmelt
Tagungsmanagement
0711 210 30 26
Referent_innen
Lothar Heusohn
Soziologe und Politikwissenschaftler, Autor, von 1981 bis 2016, Fachbereichsleiter für Politik – Gesellschaft an der Ulmer VHS
Urs M. Fiechtner
Dozent in der Jugend- und Erwachsenenbildung, Autor, Menschenrechtsexperte von Amnesty International