GEW Baden-Württemberg
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Das Ende des Ersten Weltkrieges läutete eine Wende in den gesellschaftspolitischen Verhältnissen in Deutschland ein. Zu den Veränderungen gehörte die Einführung des Frauenwahlrechtes. Schon vorher gab es organisierte Frauenbewegungen, denen aber kein Erfolg beschieden war. Um 1900 stand die Ehefrau immer noch vollständig in der Abhängigkeit vom Ehemann. In den folgenden Jahren fanden immer mehr Frauen Zugang in die Hörsäle der Universitäten und Frauen konnten auch Mitglied in einer Partei werden. Und 1918 war es dann soweit. Am 12. November wurde das aktive und passive Wahlrecht für Frauen eingeführt. Und im folgenden Jahre wurde die grundsätzliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern festgeschrieben.

Das Frauenwahlrecht, so die Archivarin, sei eigentlich nur eine Neuerung unter vielen gewesen und fand in der Presse nur wenig Resonanz. Die in der Ausstellung einsehbaren Zeitungsseiten aus jener Zeit zeigen das deutlich. „Zudem waren die Politiker damals über die Neuerung nicht sehr erbaut“, wusste Yvonne Arras aufgrund ihrer intensiven Archivarbeit zu berichten. Zwei Frauen hätten sich damals in Balingen aufstellen lassen, bekamen nur sehr wenige Stimmen – und wurden daher nicht gewählt, obwohl fast die Hälfte der Wählerinnen Frauen waren! Die wahrscheinlichste Erklärung ist wohl einerseits in der Unsicherheit bei den Wählern – und Wählerinnen zu suchen. Man wählt eben was man kennt. Wohl schon damals: „Keine Experimente“ (Wahlslogan 1957 der CDU) Und andererseits hat man Frauen die Fähigkeit abgesprochen, sich politisch zu betätigen. 1933 wurden die Errungenschaften teilweise wieder rückgängig gemacht und Frauen vom passiven Wahlrecht ausgeschlossen. 1949 wurde die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in die Verfassung aufgenommen. Und 1956 war dann die erste Frau im Balinger Gemeinderat vertreten. Auch diese Tatsache war wohl nur eine kurze Zeitungsnotiz wert. Geht man heute von den realen Zahlen aus, sowohl bei den kommunalen Parlamentssitzen und auch den kommunalen Führungsebenen ist nur ein Bruchteil der Stellen von Frauen besetzt.

Die Archivarbeit für diese Ausstellung sei nicht leicht gewesen, meinte Yvonne Arras. Und Zeitzeugen gebe es nur ganz wenige und die waren damals noch zu jung um selber Erfahrungen gemacht zu haben. Kompetent beantwortete die junge Frau die Fragen der Gäste, die sich intensiv mit den ausgestellten schriftlichen Aufzeichnungen und Druckerzeugnissen beschäftigten.

 Text/Foto: Bernd Ullrich