GEW Baden-Württemberg

OV Hechingen

Ehrungen für langjährige GEW-Mitgliedschaft

Landesvorsitzende und Bezirksvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW zu Gast beim Hechinger Ortsverband. Für beste Unterhaltung sorgte das Kabarett-Trio „Volksdampf.“

In ihrem sehr dichten Referat „Was brauchen unsere Schulen?“ zäumte Doro Moritz das Pferd von hinten auf. „Was brauchen sie nicht?“ und gab damit schon einige Antworten auf die erste Frage. Da seien zu nennen die ständige Kritik der Ministerin, verbunden mit Weisungen und Vorgaben von oben. Auch brauche man kein Konkurrenzdenken unter den Schulen und kein großes Umsortieren beim Personal. Als unnötig erachtet werden Tests und zentrale Klassenarbeiten. Die Liste von Unnötigem und Unerwünschtem, von der Landesvorsitzenden sachlich aufgeschlüsselt, war noch lang. Die Schulen brauchten erst einmal Ruhe und müssten wissen wo’s lang gehe, leide man doch noch unter den Fehlplanungen der letzten Jahrzehnte. Und Doro Moritz legte den Finger in die Wunden der verfehlten Schulpolitik.

Was Wunder, dass die Grundschulen Baden-Württembergs in mancherlei Hinsicht die rote Bildungslaterne tragen. Stütz- und Förderkurse im Grundschulbereich seien abgebaut worden, obwohl hier großer Bedarf bestünde. Für Fortbildungen fehle Geld und für eine Vertretungsreserve Personal. Aussagen des Kultusministeriums müssen wohl “richtig“ gelesen werden, gelten doch Stellen, die nicht gestrichen werden, als zusätzliche Stellen. Und die Aussage, dass der Unterrichtsausfall nur sehr gering sei, stimme nicht: Doro Moritz. „Die Kleinen werden dann halt auf andere Klassen verteilt, weil man sie nicht nach Hause schicken kann.“ Der Vorschlag, Gymnasiallehrer nach einem 15-Tagekurs als Grundschullehrer einzusetzen, sei für alle beteiligten eine Zumutung. Die Gewerkschaftlerin ging noch auf viele weitere Punkte ein, die sie auch mit Beispielen aus dem Schulalltag belegen konnte. Sie machte keinen Hehl daraus, dass ihre Argumente und Vorschläge zwar von der Kultusministerin angehört würden – aber sie vermisse das positive Echo. „Einen Dialog stelle ich mir anders vor“, meinte sie. Erstaunlich für sie sei auch die geringe bildungspolitische Kompetenz im Landtag.

Die durchaus nachvollziehbaren Ausführungen und Argumente von Doro Moritz gingen durchweg konform mit den Ansichten der Gäste.

Gab es bei den zitierten Stellungnahmen und Aussagen des Kultusministeriums öfters Kopfschütteln und bedenkliche Mienen, folgten darauf freudiges Kopfnicken, gepaart mit Lachanfällen. Dafür sorgten Lisa Greiner, Reiner Muffler und Suso Engelhard, zusammen bekannt als das oberschwäbische Musikkabarett „Volksdampf“. Mit ihrem Programm „Schöne Grüße aus dem Hinterhalt“ trafen die drei immer wieder ins Schwarze. Themen, zum Teil musikalisch höchst vergnüglich aufbereitet, waren politische Korrektheit, Minderheitenschutz, der Unterschied zwischen „haben“ und „sein“, Jodeln als Beitrag zur Leitkultur und die Möglichkeit einer Moralamputation. Die begeisterten Gäste erlebten ein Feuerwerk amüsant verpackter durchaus tiefgehender Überlegungen, bei denen Lachen und Beifallsbezeugungen Hochkonjunktur hatten.

Text/Foto:  Bernd Ullrich

"Volksdampf"
Landes- und Bezirksvorsitzende
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