GEW Baden-Württemberg

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Besuch in der Saline in Stetten-Haigerloch

Bevor man sich in die Tiefe wagte, gab es eine ganze Reihe interessanter Erklärungen und Informationen. So entstanden die heutigen Salzvorkommen vor etwa 250 Millionen Jahren, als das Wasser eines Binnenmeeres verdunstete. Das Steinsalz, das seit 1854 gefördert wird, liegt in einer Tiefe von 80 – 130 Metern unter dem Boden und hat eine Mächtigkeit von bis zu zehn Metern. Abgebaut wird es mittels Sprengung, die in aller Regel gegen 22 Uhr erfolgt und überirdisch noch spür- und hörbar ist.  Pro Jahr werden zurzeit etwa 500 000 Tonnen gewonnen. Der Reinheitsgehalt beträgt zwischen 90 und 95 Prozent Salz, das als Industrie- und Streusalz Verwendung findet.

Nach der Theorie, veranschaulicht mit Diagrammen und Bildern, bekam jeder Besucher seine Ausrüstung. Staubmantel, Sicherheitsweste, Helm und Sauerstoffselbstretter. Und dann ging es im offenen Gefährt in die Unterwelt, in der eine stete Temperatur von 16 – 17 Grad Celsius herrscht: Sommer wie Winter. Die Fahrt führte über kilometerlange Fahrwege, die die Dimension von Tunneln hatten und deren Wände aus Salz bestanden. Die Saline verfügt über eine Frischluft- und eine Entstaubungsanlage. Die Belüftungsanlage ist auch wichtig wegen der Fahrzeuge, da nur wenige von ihnen elektrischen Antrieb haben. Die großen Arbeitsmaschinen sind (noch) auf leistungsfähige Dieselmotoren angewiesen Vorbei ging die Fahrt am Walzenbrecher, der die per Radlader gelieferten Salzbrocken zerkleinert und dabei 400 Tonnen pro Stunde schafft. Wenn auch noch gesprengt wird, befindet sich eine Teilschnittmaschine, eine Art Fräser, in der Erprobung. Mit diesem Gerät könnte dann wohl auf den Gebrauch von Sprengstoff weitgehend verzichtet werden. Die Qualität des abgebauten Rohsalzes wird durch Aussortierungsverfahren gewährleistet. Mussten früher nach der Sprengung eventuell loses an der Decke oder den Wänden hänge Brocken per Hand mittels langer Stangen entfernt werden, übernimmt dies jetzt eine Beraubungsmaschine.

Überhaupt war erstaunlich, dass nur sehr wenige Menschen zu sehen waren. Maschinen und Transportbänder, elektronisch gesteuert, übernehmen viele der Arbeiten. Die Belegschaft besteht aus knapp 70 Personen, stark mehrheitlich gewerkschaftlich organisiert, die in zwei Schichten arbeiten. Dafür verfügt das Bergwerk über 90 Fahrzeuge, incl. Sonderfahrzeuge. Schließlich sind es ungefähr 100 Kilometer Strecke, die befahren werden können. Die Gäste wurden auch Zeugen des Bohrens von Sprenglöchern und des Befüllens derselben mit Sprengstoff. Und was passiert mit den entstandenen Hohlräumen, wenn das Salz abgebaut ist? Auch dafür ist gesorgt. Diese Räume werden mit Material befüllt, das der Stabilisierung der darüber liegenden Erdschichten dient. Dieser Versatz ist wichtig, damit es keine Senkungen und Einbrüche gibt. Nach zwei Stunden voller Eindrücke aus einer anderen Welt sah man die Sonne auch wieder gerne und verabschiedete sich mit einem „Glück auf“!

Text & Foto: Bernd Ullrich