GEW Baden-Württemberg

GEW kritisiert mangelnde Unterstützung bei der Inklusion

„Wie sollen wir das schaffen?“ wurde am Montagabend diese Woche mit großer Hilflosigkeit von Lehrkräften gefragt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Kreis Ortenau hatte Michael Hirn in die Anne-Frank-Grundschule/Erich-Kästner-Realschule eingeladen. Michael Hirn, Leiter eines Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) mit dem Förderschwerpunkt Sprache in Stuttgart, referierte zum Thema „Inklusion – In der Diskussion…“ und nahm kompetent Stellung zu den Fragen der Kreisdelegierten und Interessierten.
Deutschland hat 2009 die UN-Menschenrechtskonvention ratifiziert. Im August 2015 trat das Schulgesetz in Kraft, welches den Eltern die Wahl lässt, ob ein Kind mit einem festgestellten Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot ein SBBZ (ehemals Sonderschule) oder die allgemeine Schule besucht.
Die Erfahrungen im Schulalltag zeigen, dass die Landesregierung versäumt hat, die Voraussetzungen für das Gelingen der Inklusion zu schaffen. Die Folgen für die Kinder und die Lehrkräfte sind dramatisch! Kinder, die den Anspruch hätten, in einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum in einer kleinen Gruppe optimal gefördert zu werden, sitzen nun in Klassen der allgemeinen Schule mit 25 und mehr Kindern und warten vergeblich auf Unterstützungs- und Förderangebote. Es gibt viel zu wenig ausgebildete Sonderschullehrkräfte, die die Kinder und die Lehrkräfte in den allgemeinen Schulen ausreichend unterstützen könnten. Kolleginnen und Kollegen berichteten, dass sie die meiste Zeit allein in der Klasse unterrichten. Sie haben nicht die Ausbildung einer Sonderschullehrkraft und fühlen sich überfordert und hilflos, die anvertrauten Kindern adäquad zu fördern.
Die GEW warnt eindringlich davor, dass die Inklusion in Baden-Württemberg an „die Wand gefahren“ wird, wenn die Landesregierung nicht endlich ein besseres Konzept entwickelt. Eltern müssen realistisch informiert werden, die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren müssen angemessen ausgestattet werden und das Aufbaustudium für Lehrkräfte der allgemeinen Schule muss attraktiver werden. Solange die Bedingungen für eine gelingende Inklusion nicht flächendeckend geschaffen sind, sollte darüber nachgedacht werden, Inklusion auf akzeptabel ausgestattete Standorte zu beschränken.