GEW Baden-Württemberg
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Die Bereitschaftspolizei und die NS-Vergangenheit ihrer Ausbilder – am Beispiel Göppingen

Vortrag von Michael Kuckenburg

Vom 5. Dezember 1966 bis zum 10. April 1968 war Michael Kuckenburg Angehöriger der Bereitschaftspolizei Göppingen (II. Abteilung, 5. Hundertschaft, 2. Zug), damals eine halblegale Möglichkeit den Wehrdienst zu vermeiden. Über mehrere der Polizeiführer gingen Gerüchte rum: Einer sei bei der SS gewesen, ein anderer habe etwas mit Geiselerschießungen zu tun gehabt … – aber niemand wusste Genaues.

50 Jahre später hat Michael Kuckenburg recherchiert. Was er herausgefunden hat, ist drastischer als vermutet: Mehrere seiner Vorgesetzten hatten in Einheiten gedient, die Kriegsverbrechen begangen und sich vor allem an der Shoah beteiligt hatten; gegen den Chef der Bepo Baden-Württemberg wurde wegen Mordes an Zivilisten in der Toskana ermittelt (er wurde während der Ermittlungen nicht suspendiert, sondern befördert).

Das Üble war, dass diese personelle Kontinuität Auswirkungen auf die Ausbildung hatte:

 Es wurde mit Gewehr, Maschinenpistole und MG 42 geschossen, der Einsatz von Handgranaten wurde eingetrichtert; es wurde geübt Demos aufzulösen (die Zeit der Studentenbewegung hatte begonnen). Und es gab endlos Formalausbildung.
 Das Prinzip der „Inneren Führung“ gab es bei der Bepo nicht mal deklaratorisch. Kurz, für den Dienst in und an der Zivilgesellschaft war diese Ausbildung kontraproduktiv.

Michael Kuckenburg war Lehrer am Sindelfinger Goldberg-Gymnasium. Unter anderem hat er dort von 1983 bis 1997 die Geschichtswerkstatt geleitet und mit seinen Schülern sieben Broschüren und Bücher zur Lokalgeschichte erarbeitet und geschrieben. Er lebt nach der Pensionierung in Tübingen und mischt sich dort ein.

Termin
17.02.2019, 17:00 - 19:00 Uhr
Veranstaltungsort
KZ-Gedenkstätt Hailfingen-Tailfingen

Herrenberg-Tailfingen beim Rathaus
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