GEW Baden-Württemberg

GEW begrüßt junge Lehrkräfte

Schuljahr 2020/2021 - Von Regelbetrieb und Normalität weit entfernt

Der Kreisverband Esslingen-Nürtingen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte am Freitag (11.09.) über hundert neue Kolleginnen und Kollegen bei der Vereidigung an der Realschule in Neuffen.

„Wir freuen uns über die Verstärkung“ sagte der Kreisvorsitzende David Warneck vor einer Wäscheleine, an der - mit ausreichend Abstand - kleine Tüten befestigt waren. Darin enthalten: unter anderem ein Mund-Nasen-Schutz.

„Uns ist wichtig, dass sich alle in den Schulen sicher fühlen können. Aber anscheinend fehlt offenbar schon das Geld, um tagsüber zusätzliche Reinigungskräfte zu engagieren.“ sagt Warneck mit Blick auf das Ergebnis einer Online-Umfrage der Bildungsgewerkschaft GEW unter Schulleitungen aller Schularten in Baden-Württemberg. Demnach meldeten in der vergangenen Woche 80 Prozent der bisher befragten gut 250 Schulleiter*innen, dass die Schulträger kein zusätzliches Reinigungs­personal bereitgestellt haben, um die durch die Verordnungen der Landesregierung vorgeschriebenen täglichen Reinigungsarbeiten zu erledigen.

Der Chef der größten bildungspolitischen Vertretung im Kreis dämpft zugleich die Erwar­tungen, dass im nächsten Schuljahr mit einem „Regelbetrieb“ an den Schulen im Kreis zu rechnen sei. „Natürlich wollen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte wieder in die Klassenzimmer zurück. Doch für den Unterricht unter Pandemiebe­dingungen brauchen wir mehr pädagogische Profis als vorher und gleichzeitig fehlen durch den Lehrkräftemangel und die Corona-Risikogruppen so viel Lehrkräfte wie noch nie in den vergangenen Jahren“, meint Warneck.

Die GEW erwartet von der Landesregierung und mit Blick auf den Landtagswahlkampf von allen Parteien klare Konzepte wie der Lehrkräftebedarf bis 2030 gesichert werden kann. „Sowohl mit Blick auf die weiter steigenden Geburtenzahlen als auch den zusätzlichen Bedarf für pädagogische Weiterentwicklungen wie den Ausbau der Ganztags­schulen brauchen wir mehr Lehrerstellen und weitere zusätzliche Studienplätze.“, ist Warneck überzeugt.

„Es ist dramatisch, dass es an Grundschulen für fast 30 Prozent der Stellen nicht einmal eine Bewerberin gibt. Wo bleibt der Vorstoß der Kultusministerin für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung? Warum wird die ständige Vertretungsreserve an Gymnasien nicht schnell mit den dort vorhandenen Bewerberinnen und Bewerbern aufgestockt? Und wo wird das Geld eingesetzt, dass durch die nicht besetzten Lehrerstellen frei wird? Wir erleben eine Kultusministerin, die mit mehr Fragen als Antworten ins neue Schuljahr startet“, so der Gewerkschafter.

David Warneck berichtet auch von zahlreichen Schulleitungen, die bemängeln dass „ein Plan B“ fehle, wenn zum Beispiel einzelne Schulen geschlossen werden müssen. So zeigte eine weitere Umfrage der GEW im Juli/August 2020 mit einer Beteiligung von gut 4.000 Lehrkräften auch den hohen Nachholbedarf bei der Digitalisierung. Nur knapp ein Drittel der Befragten aus allen Schularten bezeichnet die Voraussetzungen als gut. 67 Prozent bezeichnen die technischen Voraussetzungen an den Schulen als mittelmäßig bis sehr schlecht. „Wie sollen die Schulen so vernünftige Fernlernangebote für die Kinder und Jugendlichen bereitstellen?“

„Wir lassen dich nicht hängen“ steht auf den Taschen an der Wäscheleine. Für die Schulen würde sich die Kreis-GEW das auch vom Kultusministerium wünschen.