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SommerferienGEW-Fachgruppe Gymnasien: Konzeption der Lernbrücken ist undurchdacht

Die Schülerinnen und Schüler bräuchten statt eines Strohfeuers in den Sommerferien eine nachhaltige Förderung, kritisiert Fachgruppenvorsitzende Barbara Becker das Konzept der Kultusministerin zur Bewältigung der Corona-Folgen.

16.07.2020

Kultusministerin Susanne Eisenmann hat die Schulen angewiesen, in den letzten beiden Wochen der Sommerferien sogenannte „Lernbrücken“ anzubieten. In täglich drei Zeitstunden sollen Schüler*innen, die infolge der Schulschließungen aufgrund der Coronapandemie entstandenen fachlichen Lücken schließen können. 

Aus Sicht der GEW-Fachgruppe Gymnasien ist es sicherlich sinnvoll, dass Schüler*innen einen Teil der Sommerferien nutzen, um für das kommenden Schuljahr besser gerüstet zu sein. Das vorliegende Konzept jedoch beantwortet viele wichtige Fragen nicht. Hier eine kleine Auswahl:

  • Ist es realistisch, dass Schüler*innen, die durch Homeschooling und den jetzt seit vielen Wochen wieder laufenden Präsenzunterricht nicht oder nicht ausreichend erreicht werden konnten, nun zwei Wochen der eigenen Ferien „opfern“, um eine bessere Ausgangsposition für das kommende Schuljahr zu haben?
  • Trotz enormen Arbeitseinsatzes der Lehrkräfte fehlen in Summe bisweilen große Teile des Bildungsplanes im zweiten Schulhalbjahr. Ist es realistisch, diese drei Monate innerhalb von 30 Zeitstunden aufholen zu wollen?
  • In den Schulen ist insbesondere die letzte Sommerferienwoche für Schulleitungen wie Lehrkräfte eine volle Arbeitswoche, es findet nur kein Unterricht statt. Ist es realistisch anzunehmen, dass gerade die Lehrkräfte der Kernfächer, allesamt in der Regel Klassenlehrer*innen, nun statt der Vorbereitung des neuen Schuljahres zusätzlich noch die Lernbrücken vorbereiten, durchführen und die Schülerergebnisse korrigieren?

Aus Sicht der GEW-Fachgruppe Gymnasien ist diese Konzeption der Lernbrücken undurchdacht, weckt falsche Hoffnungen und verlagert (wieder einmal) das Problem an die Schulen vor Ort. 

„Viel sinnvoller wäre eine großzügige Stundenzuweisung an die Schulen, damit vor Ort passgenaue Förderkonzepte entwickelt und parallel zum kommenden Schuljahr angeboten werden. Eine solche zusätzliche Förderung könnte für die Schüler*innen verpflichtend gemacht werden: Damit wäre eine gezielte Hilfe möglich, die von den unterrichtenden Lehrkräfte passgenau betreut wird“, sagt Barbara Becker, Vorsitzende der GEW-Landesfachgruppe Gymnasien.

„Wir brauchen statt eines ‚Strohfeuers in den Sommerferien‘ eine nachhaltige Förderung, die auch wirklich dort ankommt, wo sie dringlich gebraucht wird. Und nein, diese Lernbrücken werden nicht tragen“, so Becker abschließend.

Coronapandemie: Schule im Spannungsverhältnis zwischen Bildung und Gesundheit

Aus Sicht der Fachgruppe leben Schüler*innen, Eltern und Lehrkräfte angesichts der angestrebten vollen Öffnung der Schulen nach den Sommerferien im Spannungsfeld zwischen den Polen „Recht auf Bildung“ und „Recht auf Gesundheit“. Dabei geht es der GEW als Gewerkschaft keinesfalls ausschließlich um die Lehrkräfte: An fast allen Schulen sind zum Beispiel mehrere Schüler*innen durch relevante Vorerkrankungen gefährdet und können daher den Präsenzunterricht nicht besuchen. Hinzu kommt, dass sowohl Kinder und Jugendliche als auch Lehrkräfte mit Angehörigen zusammenleben, die extrem gefährdet sind.

„Selbstverständlich wollen wir als Lehrkräfte alle so schnell wie möglich zu einer vollen Öffnung zurück. Nichts wäre schöner als die brummende, aktive Schule, für die wir unseren Beruf ergriffen haben! Doch gilt es gerade jetzt, auch die Interessen derer zu vertreten, für die genau dies eine tägliche Gefährdung darstellt“, sagt Becker.

Deshalb fordert die GEW-Fachgruppe Gymnasien bei voller Öffnung der Schulen für alle Kolleg*innen, die es wünschen, dass der Dienstherr beziehungsweise der Schulträger schützende Profimasken bereitstellt. Diese Masken sind anders als zu Beginn der Coronapandemie keine Mangelware mehr und müssen daher nicht mehr für medizinisches Personal vorgehalten werden.

Lehrerinnen und Lehrer müssen sich gegen den ständig steigenden Druck und die Überforderungen des Berufsalltags wehren. Die Corona-Krise hat die Belastung der Lehrkräfte weiter gesteigert. Die Überlastungsanzeige (PDF) ist ein Mittel, sich selbst zu schützen. Sie ist außerdem auch ein politisches Druckmittel.

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