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Erfahrungsbericht„GEWolution 2020: we digitalized it!“

Maximilian Mergl ist bei der jungen GEW aktiv und hat Ende Mai an der ersten digitalen GEW-Bundesjugendkonferenz teilgenommen. Die ursprünglich geplante Konferenz in Berlin konnte aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden.

01.07.2020 - Von Maximilian Mergl

Unter dem Motto „Gesellschaft.Macht.Grenzen – Change a failing system!“ sollte dieses Jahr die dritte GEW-Bundesjugendkonferenz in Berlin starten. Tatsächlich wurde daraus, bedingt durch Corona, die erste digitale Konferenz – mit 180 Anmeldungen: „GEWolution 2020: we digitalized it!“. Maximilian Mergl von der Jungen GEW schildert seine Eindrücke und Erfahrungen aus dem heimischen Arbeitszimmer.

Freitagabend, 29. Mai 2020

Um gut vorbereitet und gewappnet in die Konferenz zu starten, baue ich am Esstisch meinen temporären Arbeitsplatz auf. Hier ist mehr Platz, das Licht ist besser und ich werde schließlich zwei Tage hier sitzen. Die Webseite zur GEWolution2020 Onlinekonferenz ist aufgerufen und ich bin in den richtigen Panels eingetragen. Hierbei handelt es sich um Chatgruppen für die einzelnen Tagesordnungspunkte.

Da ich für die Veranstaltung fit sein möchte, gehe ich früh schlafen.

Samstag, 30. Mai 2020

10:00 Uhr – Ich lausche der Eröffnungsrede von Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender der GEW, und stimme mich auf den Tag und den Konferenzablauf ein. Erste Frustration trat direkt im Anschluss auf: Am großen GEW-Bildungsquiz, einer Fragerunde mit der Web-App Kahoot, hätte ich gerne teilgenommen. Ich musste jedoch abrechen, denn meine Antworten wurden vom System nicht angenommen und somit konnte ich keine Quizpunkte sammeln.

11:30 Uhr – Für die nächsten zwei Stunden nehme ich am Vortrag „Zeitverträge in der Wissenschaft“ in einer BigBlueButton-Konferenz teil. Andreas Keller und Freya Gassmann, Soziologin der Universität des Saarlandes, referieren PowerPoint-gestützt unter anderem über das Hire-and-Fire-Prinzip der Wissenschaft. Ich sitze interessiert vor dem Rechner. Mir bleibt die Präambel des Templiner Manifests im Kopf und macht mir meine glückliche Stellung als Beamter bewusst: „Gute Lehre und Forschung auf der einen Seite sowie gute Arbeitsbedingungen und berufliche Perspektiven auf der anderen Seite sind jedoch zwei Seiten einer Medaille.“

15:00 Uhr – Johannes Kiess, Soziologe, Universität Siegen, stellt seine Forschungsergebnisse vor und erläutert Zusammenhänge zu Teilhabe an Bildung für eine demokratische Gesellschaft.

18:00 Uhr – Ich lausche der Podiumsdiskussion „Streik. Protest. Intervention“ nur noch aus der Ferne. Aus der Videoübertragung wird für mich eine Art Radiosendung. Dieser folge ich noch, jedoch sehr passiv, da mich das gesamte Setting nicht anspricht. Dem Dokumentarfilm über Protestkulturen von jungen Menschen entziehe ich mich und mache Feierabend.

Sonntag, 31. Mai 2020

10:30 Uhr – In BigBlueButton-Kleingruppen mit aktivierter Kamera und Mikrofon werde ich in den Tag GEWuppt. Anfangs schaut man noch in müde Gesichter der Moderatoren und Veranstalter, dann sollen wir auf Kommando verschiedene Dinge vor die Kamera holen. Der oder die Schnellste gewinnt. Nach diesem kurzen und interaktiven Austausch bin ich motiviert für den zweiten Tag.

11:30 Uhr – Anfangs halte ich mich beim Vortrag „Gewerkschaften und Politischer Streik – ein No-Go?!“ von Daniel Merbitz und Maria Rosenke, beide beim GEW-Hauptvorstand, noch vor dem Rechner. Jedoch ertappe ich mich gegen 12:00 Uhr beim Wuseln in der Wohnung, den Vortrag wieder in Radioform konsumierend.

15:00 Uhr – Der Workshop für mich beginnt: Personalisiertes Lernen, Learning Analytics, Künstliche Intelligenz & Co. – Anregungen für eine (Selbst)Bewusste Auseinandersetzung mit „Digitaler Bildung“. Ich bin bereit für kollaboratives Arbeiten. Tatsächlich merke ich keinen Unterschied zwischen Workshop und Vortrag. Die Präsentation und Inhalte sind sehr spannend und ich rufe parallel Seiten und Links daraus auf. Es wird für mich eine Mischung aus Zuhören, Lesen und eigener Recherche. Die wohl prägendsten Inhalte waren die „good to know“-Fakten gleich zu Beginn. Dass digitale Tools, Learning Analytics & Co. etwas mit ihren Anwender*innen machen, indem sie bestimmte Wahrnehmungen konstruieren und so bestimmte Entscheidungsketten erzeugen, finde ich einen wichtigen Fakt. Als Lehrer muss ich mir der Verantwortung bewusst sein.

17:30 Uhr – Ein neuer Versuch mit Kahoot das Stimmungsbild nach 48 Stunden Konferenz zu erfassen, klappt besser und ich kann meine Meinung einreichen.

18:30 Uhr – Ich räume auf.

Mein Fazit ist gespalten. Ich sehe sehr großes Potenzial in Online-Vorträgen und -Workshops, da es uns sehr viel Flexibilität schenkt. Als Referent*in muss ich zwischen Vortrag und Workshop unterscheiden und passende Arbeitsformen für die Teilnehmer*innen integrieren. Gleichzeitig muss man vor dem eigenen Rechner selbstkritisch und diszipliniert sein. Das häusliche Umfeld kann zum Abschweifen verleiten. Ich kann jedoch selbst entscheiden, wie ich an einem Vortrag teilnehmen möchte und wie viel ich davon tatsächlich mitnehmen will. Hier wird mir bewusst, wie wichtig das echte Miteinander und Beieinander für das (gewerkschaftliche) Arbeiten ist.

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