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Schulbetrieb in Zeiten von CoronaKeine Kompromisse auf Kosten des Arbeits- und Gesundheitsschutzes

Die GEW-Fachgruppe Gymnasien macht sich für ein ruhiges, effektives Arbeiten in kleinen Gruppen sowie den Ausbau und Nutzen der digitalen Möglichkeiten stark. Außerdem fordert sie, die Hygieneregeln nicht leichtfertig aufzugeben.

22.06.2020

Am 18. Juni hat die Kultusministerkonferenz (KMK) sich positioniert: Die Schulen sollen spätestens nach den Sommerferien voll geöffnet werden. Der reguläre Schulbetrieb soll nach geltender Stundentafel in den Schulen vor Ort wieder aufgenommen und die Schüler*innen in ihrem Klassenverband oder in einer festen Lerngruppe unterrichtet werden. Weiter heißt es: „Die Länder stimmen dabei überein, dass hierfür die Abstandsregelung von 1,5 Metern entfallen muss, sofern es das Infektionsgeschehen zulässt.“

„Es kann nicht sein, dass wir Lehrkräfte als einzige Berufsgruppe ohne irgendwelche Schutzmaßnahmen mit relativ großen Gruppen in geschlossenen Räumen arbeiten müssen – allein die schwammige Klausel ‚sofern es das Infektionsgeschehen zulässt‘ reicht nicht. Da wir an den weiterführenden Schulen neben Kindern vor allem Jugendliche und junge Erwachsene unterrichten, ist von einer deutlich erhöhten Gefährdung auszugehen, wenn nun auch noch die Abstandsregelungen in Frage gestellt werden“, finden Barbara Becker und Markus Riese, die Vorsitzenden der GEW-Landesfachgruppe Gymnasien.

Dies gelte umso mehr, als nach faktischer Abschaffung der Risikogruppen auch Lehrkräfte über 60 und Kolleg*innen mit leichteren Formen von relevanten Vorerkrankungen wieder in den Präsenzunterricht gehen würden. „Wenn jetzt der präventive Schutz für Lehrkräfte und deren Angehörige ersatzlos entfällt, kann nicht noch mit der Abstandsregelung auf eine der effektivsten Maßnahmen überhaupt verzichtet werden“, betont Riese.

Außerdem ist ein Kohortenmodell, wie es zum Beispiel für Kitas oder auch im Grundschulbereich propagiert wird und bei dem eine feste Gruppe von Schüler*innen mit der immer gleichen Lehrkraft im gleichen Raum in Präsenz arbeitet, mit dem Fachlehrer*innenprinzip des Gymnasiums nicht vereinbar.

Aus Sicht der GEW Fachgruppe Gymnasien ist es daher unbedingt notwendig, die Gruppen unbedingt so klein wie eben möglich und die Abstände sowie die inzwischen gängigen Hygienemaßnahmen weiterhin beizubehalten.

„An allen Gymnasien wurden rollierende Systeme erarbeitet, die zurzeit den Präsenzunterricht im Rahmen der Coronapandemie ermöglichen“, erklärt Becker. Im Sinne des Arbeits- und Gesundheitsschutzes für Lehrkräfte, Schüler*innen und ihrer Familien sei es sinnvoll, diese Systeme noch nach den Sommerferien zunächst präventiv beizubehalten, um auf eine etwaige zweite Infektionswelle im Herbst oder Winter vorbereitet zu sein und eine erneute generelle Schulschließung zu verhindern.

Im Sinne der Arbeitsökonomie der Lehrkräfte und der Schulleitungen sei es sinnvoll, dies so zeitnah wie möglich festzuschreiben, um die Planbarkeit der Deputate, des Stundenplanes und die Unterrichtsvorbereitung zu ermöglichen: Die Schulen brauchen jetzt Verlässlichkeit und eine gewisse Ruhe.

Im Sinne zeitnaher Überwindung der Lernrückstände und Aufarbeitung pädagogischer Defizite sei es sinnvoll, die gerade erst gebildeten kleineren Gruppen für ein effektives und möglichst schülernahes Arbeiten zu erhalten.

Die regelmäßige Einberufung des schulischen Arbeitsschutzausschusses, der Expert*innengruppe für das schulische Präventionsmanagement vor Ort, sowie die Beteiligung der schulischen Gremien ist dabei aus Sicht der GEW die Voraussetzung für eine flexible und regional angepasste Intervention, falls das lokale Infektionsgeschehen dies verlangen sollte.

Keine Kompromisse auf Kosten des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, ruhiges, effektives Arbeiten in kleinen Gruppen, Ausbau und Nutzen der digitalen Möglichkeiten: Dafür setzt sich die GEW-Fachgruppe Gymnasien beim Kultusministerium ein.

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