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Lehrereinstellungen 2020/2021Viele Lehrkräfte gesucht – Einstellungschancen regional sehr unterschiedlich

Die Corona-Krise hat gezeigt, wie akut der Lehrermangel in Baden-Württemberg ist. Eigentlich beste Voraussetzungen für Bewerber*innen. Doch neben der Schulart ist vor allem die Wunschregion ausschlaggebend dafür, wie die Chancen stehen.

12.08.2020 - Von Stefan Bauer, Hauptpersonalrat GHWRGS, und Michael Futterer, Hauptpersonalrat berufliche Schulen

Seit einigen Jahren ist die Einstellungssituation im Land stark abhängig von der studierten Schulart und der gewünschten Region der Bewerber*innen. Dies wurde auch in der Einstellungsrunde 2020 deutlich.

Für das Kultusministerium ist die Talsohle bei der Unterrichtsversorgung zwar durchschritten. Aber der teilweise eklatante Mangel an Bewerber*innen führt zu einer weiteren Verschlechterung der Unterrichtsversorgung in vielen Regionen von Baden-Württemberg.

Grundschulen: Lehrermangel weiter akut

Im Bereich der Grundschulen erhielten in den so genannten vorgezogenen Verfahren (schulscharfe Stellenausschreibungen und so weiter) frühzeitig viele Lehrkräften ein Einstellungsangebot. Dies ändert jedoch nichts daran, dass es zu wenig Bewerber*innen auf zu viele freie Stellen gab. Landesweit hätten insgesamt rund 1.250 Stellen vergeben werden können. Demgegenüber standen allerdings nur rund 1.020 Lehrkräfte, die an der Grundschule beschäftigt werden wollten.

Während es weiterhin eine starke Ballung an Bewerbungen für die Rheinschiene (Großräume Freiburg und Karlsruhe, Rhein-Neckar-Region) gibt, sind große Teile von Südbaden (zum Beispiel Schulamt Donaueschingen, Landkreis Waldshut) und Nordwürttemberg (Großraum Stuttgart) leer ausgegangen. Dort ist bereits im abgelaufenen Schuljahr vielerorts ein Unterricht nur mit erhöhtem Klassenteiler und ausfallenden Pflichtunterricht möglich. Diese Situation wird sich weiter verschärfen.

Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen: Große Sorgen im Großraum Stuttgart

Vor allem rund um Stuttgart können in den Schularten der Sekundarstufe I kaum alle freien Stellen besetzt werden. Rückmeldungen der Bewerber*innen zeigen deutlich, dass die früher sehr attraktiven Regionen vielen schlicht zu teuer sind. Die Landesregierung muss dringend ein Konzept für Anreize entwickeln, um die Region rund um die Landeshauptstadt ausreichend mit Lehrkräften zu versorgen. Neben der Region Stuttgart betrifft das vor allem auch einige Regionen in Südbaden.

In den Schulen der Sekundarstufe I gab es rund 1.300 Stellen, demgegenüber standen circa 1.500 Bewerbungen. Doch wie in allen Schularten bewerben sich viele Lehrkräfte regional sehr eng und verzichten lieber auf eine feste Einstellung, um in der Wunschregion bleiben zu können.

Musisch-technische Fachlehrkräfte: Viele Stellen unbesetzt

Auch für die Fachlehrkräfte gab es wie in den letzten Jahren ein sehr großes und regional breites Angebot an Stellen. Viele Personen konnten in ihrer Wunschregion ein Angebot erhalten.

Die Zahl der Bewerbungen war mit 90 Personen allerdings viel zu gering, um die rund 260 freien Stellen zu besetzen. Hier ruht die Hoffnung auf den nächsten Jahren, in denen mit mehr Ausbildungsabsolvent*innen zu rechnen ist.

Lehrkräfte für Sonderpädagogik und sonderpädagogische Fachlehrkräfte: Private SBBZ immer beliebter

Nicht viel Neues gab es auch in diesem Bereich – und das sind keine guten Nachrichten. Fast im ganzen Land fehlen Sonderpädagog*innen. Ausnahmen sind seit vielen Jahren die Regionen in der Rheinschiene. Dort könnten die wenigen freien Stellen oft mehrfach besetzt werden. In den anderen Regionen des Landes sieht es sehr schlecht aus. Es konnten zahlreiche Stellen an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) nicht besetzt werden.

Auf rund 430 wissenschaftliche Stellen kamen 350 Bewerbungen, bei den Fachlehrkräften war die Relation mit 155 freien Stellen und rund 100 Bewerbungen ähnlich schlecht. Auffällig war die hohe Zahl an Lehrkräften, die in diesem Jahr eine Einstellung an einem privaten SBBZ dem Staatsdient vorgezogen haben. Bei der Einstellung über die Bewerberliste konnten für über 200 freie Stellen für nicht einmal 30 Angebote an staatlichen SBBZ an Sonderpädagog*innen verteilt werden. Offensichtlich machen die Privatschulen interessantere Angebote als das Land Baden-Württemberg.

So konnte an den SBBZ auch nur ein Bruchteil der Stellen für Fachlehrkräfte und Technische Lehrkräfte besetzt werden. Eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent an den SBBZ oder ausreichend viele sonderpädagogische Lehrkräfte in der Inklusion wird noch lange ein unerfüllter Traum bleiben.

Einstellung von Lehrkräften 2020

 

Einstellungen

Bewerbungen

 

2020

2019

2020

2019

LehrkräfteStellen insgesamt Angebote über Einstellungslistevorab eingestellte PersonenStellen 
Grundschulen1.2475816661.531,8ca. 1.020ca. 1.080
Haupt- und Werkrealschulen sowie Realschulen1.3435308131.502ca. 1.400ca. 1.500
Sonderpädagogik434217217316ca. 350ca. 370
Musisch-technische Fachlehrkräfte26637229180ca. 90ca. 120
Fachlehrkräfte und technische Lehrkräfte Sonderpädagogik1558075146105117
Berufliche Schulen1.054,5 + 134 TL51588 + 60 TL1010,3 + 84,5 TL445 Laufbahn-bewerber*innen468 Laufbahn-bewerber*innen

Berufliche Schulen: Bewerberlage weiter schwierig

Die Einstellungsrunde 2019 an den Beruflichen Schulen steht unter dem Vorzeichen großer Unsicherheiten, weil noch unsicher ist, wie sich die Zahl der Schüler*innen entwickelt. Bereits Ende 2019 zeichnete sich aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung ab, dass die Zahl der Ausbildungsverhältnisse zurückgehen wird. Das führt dazu, dass sich die Schülerströme von den Teilzeitschularten (durchschnittlich 13 Schülerwochenstunden) in die Vollzeitschularten (mindesten 30 Schülerwochenstunden) verlagern. Die Entwicklung hat sich mit der Corona-Krise noch verstärkt. Endgültige Zahlen wird es erst im September geben, sodass derzeit kaum verlässliche Aussagen über die Unterrichtsversorgung möglich sind.

Das Kultusministerium hat deshalb den Beruflichen Schulen zunächst 100 zusätzliche Stellen zugewiesen, die aus anderen Schulbereichen umgeschichtet werden. Zusätzlich wurden 200 Stellen beantragt, über die erst in einem Nachtragshaushalt entschieden wird. Die GEW fordert, dass diese Stellen in jedem Fall geschaffen werden, um die Unterrichtsversorgung zu verbessern und Reserven für Krankheitsfälle zu haben.

Insgesamt werden 1.049 Deputate frei (915 wissenschaftliche Lehrkräfte und 134 Technische Lehrkräfte). Dazu kommen die zusätzlichen 100 Deputate zu Sicherung der Unterrichtsversorgung, 24,5 Deputate für den Ausbau der Erzieher*innenausbildung und 15 Deputate für Inklusion. Insgesamt stehen 1.188,5 Deputate für Neueinstellungen zur Verfügung.

Im Bereich der Technischen Lehrkräfte (TL) konnten bislang 60 Lehrkräfte gewonnen werden, davon 51 im gewerblichen Bereich. Die Bewerberlage im wissenschaftlichen Bereich bleibt unverändert schwierig. Die Zahl der Neubewerber*innen ist mit 340 unverändert niedrig (Vorjahr: 338), dazu kommen 105 Altbewerber*innen (Vorjahr: 130). Problematisch ist, dass die Bewerber*innen für berufsbezogene Fächer im gewerblichen Bereich auf 63 abgesunken sind (Vorjahr: 73). Insgesamt konnten 304 Neu- und 42 Altbewerber*innen gewonnen werden. Aufgrund des Teilzeitfaktors konnten damit 273 der 1.049 Deputate besetzt werden. Es sind noch Deputatsaufstockungen möglich.

Etwas erfreulicher hat sich die Situation beim Direkteinstieg entwickelt. Hier konnten bislang 156 Personen gewonnen werden (Vorjahr: 130). Insbesondere im Gewerbe gibt es eine Steigerung von 84 auf 118 Personen. Allerdings ist dies nach wie vor viel zu wenig, um den tatsächlichen Bedarf zu decken. Sehr schwierig ist die Situation nach wie vor in den Fachrichtungen Pädagogik/Sozialpädagogik und Pflege. Darüber hinaus konnten 134 Gymnasiallehrkräfte und 3 Sonderschullehrkräfte gewonnen werden.

Insgesamt konnten damit im wissenschaftlichen Lehramt 639 Personen (549 Stellen) gewonnen werden. Die restlichen Stellen werden jetzt ausgeschrieben und müssen im Nachrückverfahren bis in den September hinein besetzt werden. Es können sich Laufbahnbewerber*innen und Direkteinsteiger*innen bewerben. Auch Bewerber*innen aus dem gymnasialen Bereich können noch an Beruflichen Schulen eingestellt werden.

Das Kultusministerium geht davon aus, dass weiterhin circa 250 Stellen mit befristet beschäftigten Personen besetzt werden. Die GEW hat in der Vergangenheit immer wieder gefordert, dass für diese sogenannten „Nichterfüller“ ein Einstellungskorridor geschaffen wird. Hier hat sich das Kultusministerium etwas bewegt. Im Sommer werden im Beruflichen Bereich circa 10 Arbeitsverträge entfristet (über alle Schularten circa 80).

Die Einstellungsquote bei den Neubewerber*innen liegt derzeit bei knapp 90 Prozent. Ein Problem ist die mangelnde regionale Flexibilität der Bewerber*innen, sprich der Wunsch, ausschließlich in Regionen eingesetzt zu werden, die begehrt und gut versorgt sind.

Gymnasien: Offizielle Zahlen fehlen noch

Die Zahlen für die Gymnasien im Land liegen noch nicht vor. Die GEW plant, sie in der nächsten b&w-Ausgabe im September zu veröffentlichen.

Der Text auf dieser Seite wird aktualisiert, sobald alle Informationen verfügbar sind.

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