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Kitaöffnung zum 1. Februar Kinder und Beschäftigte schützen

Der Bund-Länder-Gipfel hat entschieden, Kitas und Schulen geschlossen zu halten. Das Kultusministerium Baden-Württemberg drängt aber zur Öffnung schon Anfang Februar. Das ist nur zu verantworten, wenn der Schutz der Gesundheit gewährleistet wird!

25.01.2021 - Heike Herrmann, Referentin für Jugendhilfe und Sozialarbeit

Kinder leiden unter der Schließung der Kitas, sie brauchen andere Kinder, um sich gut zu entwickeln, keine Frage. Sie haben ein Recht auf Bildung. Dass die Rechte der Kinder endlich ins Grundgesetz aufgenommen werden, ist gut. Einige Rechte sind während der Pandemie auf der Strecke geblieben, nicht nur die der Kinder. Leider hält das immer noch an. Politisch Verantwortliche mussten stetig abwägen und haben sich überwiegend für den Infektionsschutz und die Eindämmung der Pandemie entschieden.

Ziel ist dir Sicherheit von Kindern und Beschäftigten

„Die geplante Öffnung von Kitas ab 1. Februar ist in Anbetracht der aktuellen Corona-Situation nach unserer Einschätzung utopisch“, kommentiert die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein die Entscheidung. „Die Sicherheit von Kindern, Jugendlichen und den pädagogischen Profis in Kitas und Schulen muss immer unser höchstes Ziel sein. Alle wünschen sich wieder in die Einrichtung zurückzukehren. Wenn das aber aufgrund der Infektionszahlen oder aufgrund der Gefahr durch neue Virusvarianten nicht möglich ist, müssen Kita und Grundschulen leider geschlossen bleiben“.

Vor Weihnachten wurde der Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen in den Kitas eingestellt, nachdem die Infektionen in den Einrichtungen angestiegen waren. Ganz geschlossen waren diese nie. Sie haben immer eine Notbetreuung angeboten, die seit Januar wieder verstärkt in Anspruch genommen wird. Kitaverbände melden Anmeldezahlen von durchschnittlich 30 Prozent mit steigender Tendenz. Mancherorts werden über die Hälfte der Kinder „notbetreut“.

Sorge um die Gesundheit nimmt zu

Weit mehr Erzieher*innen als beim ersten Lockdown zeigen sich besorgt um ihre Gesundheit. Verständlich! Im Frühjahr wurde der Übertragung des Virus durch Kinder kaum Relevanz beigemessen. Die Auswertung der AOK-Krankenversicherung sorgte für Angst und Verunsicherung. Es wurde berichtet, dass die Erzieher*innen an erster Stelle stehen was die coronabedingten Krankmeldungen anbelangt. Das Kultusministerium hält die Ergebnisse für nicht belastbar, die Aussagen tauchen aber in der Presse immer wieder auf und lassen die Fachkräfte zweifeln.

Inzwischen müssen immer mehr Kitagruppen schließen, weil Coronafälle in den Einrichtungen nachgewiesen wurden. Virusüberträger*innen waren nicht nur die Beschäftigten, nachweislich auch Kinder. Nach Aussagen des Landesgesundheitsamtes könnte diese Entwicklung auf Virusmutationen zurückzuführen sein. Junge Kinder seien aber nach wie vor die Gruppe mit den geringsten Infektionszahlen.

Die Landesregierung muss vor der Kitaöffnung dringend dafür sorgen, dass der Schutz der Gesundheit von Kinder und Beschäftigten sichergestellt wird. Aus Sicht der GEW gehören dazu:

  • Der Schutz der Kinder und der Beschäftigten muss oberste Priorität haben und dafür muss das nötige Geld in die Hand genommen werden.
  • Weil Erzieher*innen sich nur bedingt schützen können, müssen sie beim Impfanspruch vorgezogen werden.
  • Die Kitabeschäftigten müssen regelmäßig Tests erhalten, auch Schnelltest müssen angeboten werden.
  • Es müssen ausreichend FFP2-Masken zur Verfügung gestellt werden.
  • Luftfilteranlagen müssen eingesetzt werden.
  • Es muss in festen, kleineren Gruppen mit fixem Personal gearbeitet werden, es darf keine Durchmischung stattfinden.
  • Je nach Situation vor Ort müssen Öffnungszeiten eingeschränkt werden.
  • Erwachsene sollten nur eingeschränkt die Kitas betreten dürfen.
  • Wenn Eingewöhnungen unbedingt erforderlich sein sollten, müssen bei Eltern Schnelltestungen durchgeführt werden.
  • Alle Kitas müssen so ausgestattet werden, dass sie die Hygiene- und Arbeitsschutzvorschriften der Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) eingehalten werden können.
  • Während der Öffnungszeiten müssen regelmäßig zusätzliche Reinigungsarbeiten durchgeführt werden. Dafür muss Personal eingestellt werden.
  • Da, wo es möglich ist, soll die Anwesenheitspflicht aufgehoben und Homeoffice ermöglicht werden.
  • Kitas müssen digital ausgestattet werden.

Sicherheit und Wertschätzung - zurück zu den Mindeststandards

Wenn die Kitas wieder stufenweise zum Regelbetrieb öffnen, muss auch der Mindeststandard der Personalausstattung wieder hergestellt werden, wie er vor der Pandemie gegolten hat. Bereits vor Corona führte der Fachkräftemangel zur enormen Belastung für die Fachkräfte. Es fehlte zunehmend Personal. Im Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen kann der Personalschlüssel um 20 Prozent unterschritten werden. Das muss sofort und unverzüglich aufgehoben werden. Kita-Fachkräfte wollen ihrem Bildungsauftrag gerecht werden. Das ist nur möglich, wenn ausreichend Personal da ist und alle Fachkräfte für ihre Arbeit gut ausgebildet sind.

Ohne Umsetzung dieser Maßnahmen halten wir eine Kitaöffnung nicht für verantwortbar!