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GEW-Umfrage zum ISP (Integriertes Semesterpraktikum)

Was belastet – und was zum Gelingen beiträgt

Mit einer landesweiten Umfrage unter Lehramtsstudierenden aller Pädagogischen Hochschulen hat die GEW eine Bestandsaufnahme zum ISP durchgeführt. Nun wurden die Ergebnisse der Umfrage veröffentlicht. Eine Zusammenfassung.

Ein Mensch posiert vor einer Wand mit vielen Klebezetteln.
Fotos: SementsovaLesia / iStock

Studierende der Lehrämter Grundschule, Sonderpädagogik und Sekundarstufe I absolvieren während ihres Studiums an der Pädagogischen Hochschule das sogenannte Integrierte Semesterpraktikum (ISP). Dieses Praktikum findet für das Lehramt Grundschule und Sonderpädagogik im Rahmen des Bachelorstudiums statt, für Studierende der Sekundarstufe I im Masterstudium. Während des einsemestrigen Praktikums sind die Studierenden in der Regel vier Tage in der Woche an ihrer ISP-Schule, einen Tag in der Woche besuchen sie Begleitveranstaltungen an ihrer Hochschule. Das ISP soll den Studierenden eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Schulpraxis ermöglichen. Die Studierenden nehmen in dieser Zeit am gesamten Schulleben teil, hospitieren, planen eigene Unterrichtsversuche und unterrichten unter Anleitung.

Mit der Umfrage der GEW wurden von Januar bis April 2023 Lehramtsstudierende aller Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg zu ihren Erfahrungen aus dem ISP befragt. Über 200 Studierende haben sich beteiligt und geteilt, was sie bewegt hat, mit welchen Hürden und Herausforderungen sie sich konfrontiert sahen. Sie haben auch Vorschläge gemacht, welche Ideen sie für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung des ISP haben.

Aus den Rückmeldungen der Studierenden wurde deutlich, dass das ISP eine wichtige Möglichkeit ist, um Praxiserfahrungen zu sammeln und zu reflektieren. Es kann aber auch zu einer Belastungs- und Zerreißprobe für den Berufswunsch werden. Es zeigte sich, dass die Rahmenbedingungen einen großen Einfluss darauf haben, ob das ISP für die Studierenden zu einer wertvollen Praxiserfahrung oder zum Praxisschock wird.

Lange Pendelwege und finanzielle Sorgen als Belastungsfaktoren

Unter den Herausforderungen und Hürden, von denen Studierende im Rahmen der GEW-Umfrage berichteten, stechen zwei als besonders belastend hervor: Die Erreichbarkeit der ISP-Schule und die persönliche finanzielle Situation im Praktikum. Die Bandbreite der geschilderten Pendelwege reichte von Reisewegen mit ein bis zwei Zeitstunden pro Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln – die keine Ausnahme darstellten –, über ISP-Schulen, die mit dem ÖPNV gar nicht erreicht werden konnten, bis hin zu – in seltenen Fällen – notwendigen Umzügen. Daneben schilderten viele Studierende finanzielle Sorgen während des Praktikums. Die geschieht nicht nur durch Pendelkosten und Anschaffungen von Unterrichtsmaterialien, sondern vor allem, weil sie ihre existenzsichernden Nebenjobs während des ISP reduzieren oder aufgeben mussten. Studierende, die nicht auf Rücklagen zurückgreifen oder familiär um finanzielle Unterstützung bitten konnten, berichteten, dass sie Kredite aufnehmen oder die Arbeit auf den späten Abend, in die Nacht oder auf die Wochenenden verschieben mussten.

„Ich fand die Betreuung sehr gut. Mit der Kritik an meinem Unterricht konnte ich gut arbeiten und habe dadurch eine Steigerung und ein Erfolgserlebnis bekommen. Die Reflexion nach den gehaltenen Stunden war dabei ausschlaggebend.“ (Referendarin)

Als ein weiterer Belastungsfaktor wird in den Rückmeldungen die Entgrenzung der Arbeitszeit während des ISP genannt. Viele Studierende berichten von Arbeitsphasen bis spät abends und am Wochenende. Vor allem in den ersten Wochen im Praktikum erleben die Studierenden eine besonders hohe Arbeitsbelastung, auch durch die noch fehlende Erfahrung und Praxis im Planen von Unterrichtssequenzen und stunden.

Betreuung als ausschlaggebender Faktor in der Praxiserfahrung

Über alle Rückmeldungen der Studierenden hinweg zeigte sich deutlich die Bedeutung, die die Qualität der Betreuung im ISP für die Praxiserfahrung und die Entwicklungsmöglichkeiten der Studierenden hat. Als ausschlaggebende Faktoren führten sie die Qualität des Verhältnisses zu ihren Betreuer*innen, die Einbindung ins Kollegium, die Transparenz der Anforderungen und Rahmenbedingungen sowie die Austauschmöglichkeiten und die Feedbackkultur an.

Als hemmend für die Entwicklungsmöglichkeit erschienen in den Berichten fachfremde Betreuung, reduzierte oder nicht stattgefundene Unterrichtsbesuche sowie fehlender Austausch und Feedback. Viele Studierende berichteten auch von dem Gefühl, einem hohen Erwartungsdruck ausgesetzt zu sein, häufig gepaart mit einer negativen Feedbackkultur.

Die Bedeutung der Betreuung schlug sich nicht nur in der Bewertung der Praxiserfahrung nieder, sondern auch in Rückmeldungen über Überlegungen zu einem Abbruch des ISP oder sogar des gesamten Studiums. Ein überlastetes Bild von der Arbeit der Lehrkräfte aufgrund des Lehrkräftemangels motiviert auch nicht für den Beruf.

Vom Praxisschock zur wertvollen Praxiserfahrung

Als Gelingensfaktoren für eine gewinnbringende Praxiserfahrung im ISP nannten Studierende ein gutes Rüstzeug für den Schulalltag. Dazu gehören vorbereitende Praxis-Workshops zu Unterrichtsplanung und Classroom-Management, Einheitlichkeit und Transparenz bei den Rahmenbedingungen und Anforderungen im ISP.

Aufbauend auf die Umfrage wird die GEW in den nächsten Monaten zu Gesprächsrunden einladen. Im Austausch mit Studierenden, Studierendenvertretungen und Hochschulen soll entwickelt werden, was zu einem gelingenden ISP beiträgt.

Kontakt
Katharina Huss
Referentin für Studierendenarbeit
Telefon:  0711 21030-48
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