GEW Baden-Württemberg
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Grün-Schwarz will 1.074 Lehrerstellen streichen

GEW: „Flickschusterei“ statt Bildungspolitik mit Perspektive

24.10.2016 - GEW-Pressemitteilung

Stuttgart – Die Bildungsgewerkschaft GEW nennt den angeblichen grün-schwarzen Kompromiss bei der Finanzierung von Lehrerstellen „in Wahrheit ein Debakel für die Bildungspolitik in Baden-Württemberg“.

„Auf der Basis veralteter Schülerzahlprognosen sollen immer noch 2017 1.074 Lehrerstellen gestrichen werden. Und die zusätzlichen Stellen für Inklusion, Ganztagsschulen und Informatik sollen zum großen Teil den Grundschulen und bei der Kooperation mit der Frühen Bildung weggenommen werden. Wieder einmal sind Versprechen wie ‚Auf den Anfang kommt es an‘ billige Sonntagsreden, wieder einmal soll auf Kosten der Kleinsten im Land gespart werden“, sagte am Montag (24.10.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Grundschulen in Baden-Württemberg haben laut Kultusministerkonferenz die schlechteste Lehrer-/Schüler-Relation aller 16 Bundesländer.

Die GEW setzt sich dafür ein, dass die Landesregierung mindestens auf die geplante Streichung der 1.333 Lehrerstellen bis 2020 verzichtet. „Der Pflichtunterricht ist sechs Wochen nach Schulbeginn noch nicht gesichert, die Reformen sind unzureichend finanziert, tausende Geflüchtete warten auf einen Schulplatz. Wer gestalten will, kann nicht auf Kosten der Schüler und Lehrkräfte sparen. Wer Unterrichtsqualität verbessern will, muss zuerst dafür sorgen, dass der Unterricht stattfindet. Alle aktuellen Entscheidungen sind nicht nachhaltig, sondern nur Flickwerk für 2017. Und was ist 2018?“ sagte Moritz.

Nach den Gesprächen zwischen Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) sollen unter anderem Stellen aus dem Jugendbegleiterprogramm und dem Projekt „Schulreifes Kind“ umgeschichtet werden. Das heißt, dass Stellen dem Unterricht entzogen werden, um sie an anderer Stelle einzusetzen. Durch die Umschichtungen ist der bereits geplante dringend notwendige Ausbau der Kooperation zwischen Kitas und Grundschulen in Frage gestellt.

„Nicht einmal die Nebenabreden zum Koalitionsvertrag werden eingehalten. Dort steht, dass Ethik-Unterricht für die Klasse 7 im Schuljahr 2017/18 eingeführt wird. Statt der versprochenen Ruhe für die Schulen und mehr Zeit und Geld für Qualitätsentwicklung bestimmt grün-schwarzes Chaos die Bildungspolitik. Waren vor dem Wochenende laut Kultusministerin 500 weitere Stellen für Inklusion, Ganztagsschulen und Informatikunterricht nötig, sollen jetzt 320 ausreichen? Und wie soll mit 60 Deputaten Informatik eingeführt werden, wenn es bisher hieß, dafür seien 150 notwendig? Hier wird offenbar Flickschusterei betrieben“, sagte Moritz.

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