Sie sind hier:

Saisonlehrkräfte: 9.000 Lehrer/innen werden am 27. Juli arbeitslos

13.07.2017 - GEW-Pressemitteilung

Pädagogen in den Ferien bezahlen – Fatales Signal für den Lehrernachwuchs

Stuttgart – Noch nie wurden in Baden-Württemberg zum Ferienbeginn so viele Lehrer/innen in die Arbeitslosigkeit geschickt. Am 27. Juli 2017 enden die Verträge von fast 4.000 befristet beschäftigten Pädagog/innen, der große Teil hat nicht einmal Anspruch auf Arbeitslosengeld. Zusätzlich werden über 5.000 Referendar/innen entlassen, obwohl die meisten ab dem 11. September wieder in den Klassenzimmern stehen.

„In Zeiten des Lehrermangels zeigt sich die grün-schwarze Landesregierung als Arbeitgeber ohne Verantwortung. Das könnte sich in der freien Wirtschaft angesichts des Fachkräftemangels kein Unternehmer leisten. Die befristet beschäftigten Lehrerinnen und Lehrer für die Vertretungen sind für die Schulen der Rettungsanker. Sie halten unter oft schwierigen Bedingungen und schlechterer Bezahlung als ihre Kolleg/innen den Unterrichtsbetrieb in Baden-Württemberg aufrecht. Die meisten werden nach den Ferien wieder am Lehrerpult gebraucht, trotzdem schickt sie die Landesregierung in die Arbeitslosigkeit. Auch die Schulleitungen hängen in der Luft, weil sie oft erst im September wissen, ob die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr gesichert ist. Wir erwarten, dass diese Praxis gestoppt wird und die ständige Lehrerreserve endlich weiter aufgestockt wird“, sagte am Donnerstag (13.07.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg.

Grüne und CDU hatten im Wahlkampf 2016 versprochen, diese Lehrkräfte wie in einigen anderen Bundesländern auch in den Sommerferien zu bezahlen. Die GEW berichtet, dass immer wieder Lehrkräfte in benachbarte Bundesländer oder die Schweiz wechseln, weil sie dort bessere Arbeitsbedingungen vorfinden.

Ende Juni waren 4.244 Lehrer/innen in Baden-Württemberg befristet angestellt. Diese „Saisonlehrer“ arbeiten in der Vertretungsreserve und in den VKL- und VABO-Klassen, in denen vor allem geflüchtete Kinder und Jugendliche unterrichtet werden. Für den überwiegenden Teil dieser Lehrkräfte enden die Arbeitsverträge am letzten Schultag. Noch 2008 lag die Zahl der befristet Beschäftigten bei 1.216.

„Offenbar hat in der Landesregierung niemand gemerkt, dass in den vergangenen Jahren tausende junge Lehrerinnen und Lehrer eingestellt wurden: Wir haben zu unserer Freude viele Schwangerschaften und dementsprechend steigt der Vertretungsbedarf. Der dringend notwendige Ausbau der ständigen Vertretungsreserve wurde 2013 von der ehemaligen Landesregierung gestoppt“, sagte Moritz.

Derzeit müssen etwa 6.500 der fast 120.000 Lehrkräfte dauerhaft vertreten werden. In der ständigen Lehrerreserve gibt es nur 1.666 Stellen. Zusätzlich wird es angesichts des Lehrermangels in vielen Bereichen immer schwieriger, durch befristet Beschäftigte die Lücken zu stopfen.

Zurück