GEW Baden-Württemberg
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Schuljahr 2020/2021Vertretungsreserve endlich deutlich ausbauen

Die GEW erwartet vom Land neben dem Ausbau der ständigen Lehrerreserve auch Konzepte, wie die Schulen angesichts des Lehrermangels unterstützt werden können. Eltern spüren in Zeiten von Corona zunehmend die Folgen mutloser Bildungspolitik.

23.06.2020 - GEW-Pressemitteilung

Die Bildungsgewerkschaft GEW erwartet von der Landesregierung den sofortigen Ausbau der ständigen Lehrerreserve und Konzepte, wie durch zusätzliche pädagogische Profis die Schulen im nächsten Schuljahr unterstützt werden können.

„Es nützt den Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern und Lehrkräften wenig, wenn sich Kultusministerin Susanne Eisenmann und Ministerpräsident Winfried Kretschmann gegenseitig beteuern, dass nach den Sommerferien alle Schulen wieder geöffnet werden sollen. Sie tun zu wenig dafür, dass dies auch gelingen kann und werden ihrer Verantwortung als Arbeitgeber für 130.000 Beschäftigte nicht gerecht. Wir brauchen den Sofortausbau der seit Jahren viel zu geringen Lehrerreserve, ein Konzept für zusätzliche pädagogische Profis an den Schulen und klare Vereinbarungen mit den Schulträgern zur Umsetzung der Hygieneregeln in den Schulgebäuden“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, in Stuttgart.

Bereits vor Corona gab es an den 4.500 Schulen im Land etwa 6.000 bis 7.000 Lehrkräfte, die dauerhaft vor allem wegen Mutterschutz und Elternzeit fehlten. Bisher gab es nur eine Vertretungsreserve von 1.666 Stellen, die jetzt um 200 erhöht werden soll. Grüne und SPD hatten sich bereits 2011 auf einen Ausbauplan geeinigt und wollten jährlich die Lehrerreserve um 200 Stellen ausbauen. Der Ausbauplan wurde nach zwei Jahren wieder eingestellt, obwohl die Zahl der Ausfälle seitdem weiter gestiegen ist.

„Was spricht dagegen, diesen Ausbauplan sofort wieder aufzunehmen? Seitdem ist die Zahl der jungen Lehrkräfte, die Kinder bekommen, weiter gewachsen und die Zahl der Ausfälle steigt kontinuierlich. Durch die Schuldenbremse wurden jahrelang notwendige Investitionen für bessere Bildung vernachlässigt. Die Eltern spüren jetzt zuhause schmerzhaft die Folgen einer langjährigen mutlosen Bildungspolitik“, so die GEW-Landeschefin.

„Wir erwarten auch, dass die Landesregierung und die Kita-Träger als Arbeitgeber den Gesundheitsschutz für ihre Beschäftigten sicherstellen und selbstverständliche Arbeitsschutzstandards umsetzen. In den Konzepten der Landesregierung wird zu Recht viel zum Gesundheitsschutz der Kinder und Jugendlichen gesagt. Die 130.000 Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen und die Fachkräfte in den Kitas haben Anspruch auf den gleichen Gesundheitsschutz wie alle anderen Beschäftigten in unserem Land auch. Warum soll eine Grundschullehrerin beim Einkauf im Supermarkt 1,50 Meter Abstand halten und einen Mundschutz tragen, aber im Klassenzimmer mit 28 Kindern ohne entsprechende Schutzmaßnahmen Unterricht halten? Die viel zu wenigen Erzieherinnen und Lehrkräfte in den Einrichtungen können nicht auch noch mit Lappen und Desinfektionsmittel durch die Gebäude gehen und die Mindeststandards für den Infektionsschutz sicherstellen“, sagte Moritz.