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Schuljahr 2020/2021Wo bleiben Schutzmaßnahmen für Schüler*innen und Lehrkräfte?

Das Kultusministerium hat seinen Fahrplan für das kommende Schuljahr unter Corona-Pandemie-Bedingungen vorgestellt. Seife allein sei kein Konzept für den Start ins nächste Schuljahr, kritisiert GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz die Pläne.

08.07.2020 - GEW-Pressemitteilung

Die Bildungsgewerkschaft GEW bezeichnet die Vorschläge des Kultusministeriums zum Start des neuen Schuljahres 2020/2021 als riskant und falsch.

„Nachdem gestern die Konzepte des Kultusministeriums an die Schulen geschickt wurden, erreichten uns in kurzer Zeit viele empörte Schreiben. Lehrkräfte fühlen sich von ihrem Arbeitgeber, der grün-schwarzen Landesregierung, als Versuchskaninchen behandelt. Es fehlen klare Zusagen, welche Schutzmaßnahmen für die 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler und 130.000 Lehrkräfte am 14. September zur Verfügung stehen werden. Gibt es zum Beispiel FFP2-Masken für Vorerkrankte, wird das Reinigungspersonal an allen 4.500 Schulen aufgestockt, gibt es Corona-Tests für Lehrkräfte? Übliche Hygieneregeln und Seife alleine sind kein sicheres Konzept für den Start ins nächste Schuljahr. Lehrkräfte, Eltern und Schüler freuen sich, wenn der Schulbetrieb läuft. Unter den angekündigten Bedingungen stellt er ein Risiko für alle Beteiligten dar“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, in Stuttgart.

Die GEW sieht es auch kritisch, dass die Kultusministerin die Schulen direkt nach den Sommerferien komplett öffnen will. Die Baden-Württemberger würden dann gerade aus dem Urlaub kommen und niemand könne wissen, ob dann eine höhere Infektionsgefahr bestehen werde.

„An anderen Arbeitsplätzen ist es selbstverständlich, dass alle Beschäftigten Schutzmasken erhalten, Schutzschilder beschafft werden und zusätzliche Reinigungskräfte für Hygiene sorgen. Wir erwarten klare Zusagen, dass das auch für Kitas und Schulen garantiert wird. Lehrkräfte bekommen zum Beispiel derzeit keine Mund-Nasen-Bedeckungen, obwohl das nach der Corona-Verordnung vorgeschrieben ist. Wenn die Abstandsregel in der Öffentlichkeit gilt, muss sie auch in den Schulen und in den Klassenzimmern umgesetzt und den Schüler*innen Mund-Nasen-Bedeckungen mindestens außerhalb der Unterrichtsräume nahegelegt werden“, forderte die GEW-Landeschefin.

Lehrermangel verschärft die Situation

Die GEW berichtet, dass schon jetzt Schulämter berichten, dass am 14. September nicht genügend Lehrkräfte für den Pflichtunterricht zur Verfügung stehen. „Dabei sind die Lehrkräfte, die nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden können, noch nicht einmal eingerechnet. Die Schulen brauchen zusätzliches Personal, zum Beispiel pädagogische Assistentinnen und Lehramtsstudierende, die angeleitet durch Lehrkräfte Fördermaßnahmen anbieten. Das wäre eine echte Unterstützung. Außerdem gewinnen Studierende so Praxiserfahrung und können mit der Vergütung weggefallene Jobs zur Finanzierung des Studiums ausgleichen“, so Moritz.

Förderkonzept für das ganze nächste Schuljahr

Die GEW setzt sich für ein Förderkonzept für alle Schularten für das nächste Schuljahr ein. „Trotz Fernunterricht haben Schülerinnen und Schüler Lerninhalte versäumt. Es gibt auch keine zusätzlichen Ressourcen für die Schulen, um dies aufzuholen. Freiwillige Lernbrücken in den Sommerferien sind kein Ersatz für regulären Unterricht. Sie werden die soziale Ungleichheit nicht reduzieren. Die Beschränkung auf Deutsch und Mathematik ist weder motivierend noch sinnvoll“, kritisierte Moritz.

Dass verpflichtende Fördermaßnahmen im Rahmen des Regelunterrichts überhaupt nicht vorgesehen seien, widerspreche auch dem Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule nach § 1 Schulgesetz.

Statt Unterstützung mehr Kontrolle: Schulleitungen am Limit

Die GEW berichtet, dass die Schreiben, die gestern aus dem Kultusministerium an die Schulen gingen, für Unmut und Enttäuschung gesorgt haben. „Statt Unterstützung zu leisten, macht Kultusministerin Susanne Eisenmann den Schulen jede Menge Vorgaben zur Dokumentation und zur Gestaltung des Unterrichts. Das wird als Misstrauen gegenüber der Lehrerschaft und den Schulleitungen wahrgenommen. Schulleitungen sind seit März im Dauerstress und erhalten jetzt durch neue Regelungen zusätzliche Arbeit. Ein Dankeschön der Kultusministerin ist gut, konkrete Entlastung wäre besser und dringend notwendig“, sagte die GEW-Landesvorsitzende.