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Monika Stein aus Freiburg kandidiertDoro Moritz zieht Bilanz – nach zwölf Jahre GEW-Landesvorsitz

Auch ohne Corona seien die Schulen für die Zukunft schlecht aufgestellt, findet die scheidende GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz. In ihrer zwölfjährigen Amtszeit stiegen die Mitgliederzahlen der Bildungsgewerkschaft von 44.000 auf gut 50.000.

21.10.2020 - GEW-Pressemitteilung

An der Spitze der größten bildungspolitischen Interessenvertretung in Baden-Württemberg steht ein Wechsel bevor. Nach zwölf Jahren als Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg tritt Doro Moritz bei der Online-Landesdelegiertenversammlung (LDV) am Freitag, den 23. Oktober nicht mehr an. Einzige Kandidatin ist bisher die Grund- und Hauptschullehrerin Monika Stein aus Freiburg.

Die GEW-Landesvorsitzende stellte der aktuellen baden-württembergischen Bildungspolitik in ihrer letzten Pressekonferenz eine ernüchternde Bilanz aus. „Seit Juni haben wir darauf gedrängt, dass die Schulen zusätzliches Personal erhalten und viele Maßnahmen wie CO2-Messgeräte, FFP2-Masken für Risikogruppen oder Unterricht in kleineren Gruppen vorgeschlagen. Warum erhalten Unternehmen in wenigen Wochen Rettungspakete und in Kitas und Schulen warten die Kinder, Jugendlichen und die pädagogischen Profis bis heute auf wirklich wirksame Maßnahmen? Auch ohne Corona sind die Schulen für die Zukunft schlecht aufgestellt. Der Lehrermangel wird auch in den nächsten Schuljahren den Alltag in vielen Klassenzimmern vor allem in den Grundschulen und SBBZ bestimmen, gelingende Inklusion wird immer schwieriger. Die Maßnahmen zur Lehrergewinnung von Kultusministerin Susanne Eisenmann sind nicht wirksam genug und sie werden bei weitem nicht reichen, um den Bedarf der nächsten Jahre zu decken. Mit der derzeitigen Unterfinanzierung des Bildungssystems muss Schluss sein. So wird es weder gelingen, bessere Leistungen zu erreichen, noch werden Kita und Schule zu einem attraktiven Arbeitsplatz“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz.

Die Bildungsgewerkschaft hat derzeit gut 50.000 Mitglieder in Baden-Württemberg. Der Landesverband ist der größte in Deutschland und verzeichnet seit 25 Jahren steigende Mitgliederzahlen in allen Bildungsbereichen. In der zwölfjährigen Amtszeit von Doro Moritz stiegen die Mitgliederzahlen von 44.000 auf gut 50.000. „Die GEW ist eine junge Gewerkschaft. Wir haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass moderne Gewerkschaftspolitik auch für junge Menschen attraktiv ist. Ich freue mich, dass sich jetzt auch an der Spitze der GEW ein Generationenwechsel abzeichnet. Wir werden auch in Zukunft in Baden-Württemberg als starke Interessenvertretung Bildungspolitik gestalten und die Landesregierung mit kritischem Geist begleiten“, sagte Moritz.

Doro Moritz ist 2008 in Heilbronn zum ersten Mal gewählt worden. Sie ging zum 1. August 2020 in den gesetzlichen Ruhestand und tritt nicht mehr als Landesvorsitzende an. Die Grund- und Hauptschullehrerin aus Heimsheim bei Pforzheim war zwölf Jahre GEW-Landesvorsitzende.

Landesdelegiertenversammlung am 23. Oktober findet digital statt

Die Landesdelegiertenversammlung (LDV) der GEW BW findet alle vier Jahre statt und ist von Juni 2020 auf den 22. bis 24. Oktober 2020 verschoben worden. Vergangenen Freitag traf der GEW-Vorstand die Entscheidung, nur online zu tagen. Die 340 Delegierten können online die Reden der Kandidat*innen verfolgen und sich beteiligen. Erwartet werden bei der LDV auch Videobotschaften von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Kultusministerin Susanne Eisenmann. Die neue Vorsitzende und der neue Vorstand werden per Briefwahl gewählt. Das Ergebnis soll am 12. November 2020 vorliegen. So lange bleibt Doro Moritz kommissarisch im Amt.

Monika Stein aus Freiburg kandidiert für Landesvorsitz

Das langjährige GEW-Mitglied Monika Stein unterrichtet an einer Haupt- und Werkrealschule in Freiburg und ist Personalrätin im Schulamt Freiburg. Die 50-jährige ist Vorsitzende der zweitgrößten Fraktion „Eine Stadt für alle. links. ökologisch. feministisch“ im Freiburger Gemeinderat. 2018 kandidierte sie als unabhängige Kandidatin zur Oberbürgermeisterin von Freiburg. „Zeit für gute Bildung ist das Motto für die GEW-Landesdelegiertenversammlung im Oktober. Wir brauchen Bildungseinrichtungen, in denen alle Kinder und Jugendlichen besser unterstützt werden und in denen Chancengleichheit und Inklusion keine Fremdwörter mehr sind. In wenigen Monaten sind Landtagswahlen. Die zukünftige Landesregierung steht vor der Herausforderung, mehr in Kitas, Schulen, Hochschulen und die Erwachsenenbildung zu investieren, denn gute Bildung kostet Geld“, sagte Monika Stein bei ihrer Vorstellung vor dem GEW-Landesvorstand im Juli 2020.

Mit Stein kandidiert ein vierköpfiges Vorsitzenden-Team. Die vier Bewerber*innen für die Positionen als Stellvertretungen sind zwischen 34 und 52 Jahre alt und kommen aus vier verschiedenen Schularten.

Kandidat*innen für den stellvertretenden Landesvorsitz

Die GEW Baden-Württemberg hat drei stellvertretende Landesvorsitzende. Ricarda Kaiser und Michael Hirn treten als Team an. Gewählt werden bei der LDV unter anderem auch die vier Bezirksvorsitzenden, ein*e Landesschatzmeister*in und die Leitungen von fünf Vorstandsbereichen.

Als stellvertretender Landesvorsitzender kandidiert Michael Hirn, Schulleiter eines Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ) in Stuttgart und geschäftsführender Schulleiter der SBBZ in der Landeshauptstadt. Der 52-jährige Sonderpädagoge ist bereits seit 1998 Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der GEW und seit 2014 Personalrat im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium. Er kandidiert zusammen mit Ricarda Kaiser für den stellvertretenden Landesvorsitz.

Ricarda Kaiser ist Grund- und Hauptschullehrerin aus Mannheim. Sie ist dort seit 14 Jahren im Örtlichen Personalrat und Vorsitzende der GEW Mannheim. In den letzten vier Jahren hat sie auf Landesebene für die GEW die Grundschulen vertreten. Die 44-jährige ist ebenfalls Vorstandsmitglied im Hauptpersonalrat (HPR) Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sowie Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (GHWRGS) beim Kultusministerium. Sie kandidiert zusammen mit Michael Hirn für den stellvertretenden Landesvorsitz.

Die Gymnasiallehrerin Farina Semler unterrichtet aktuell an einer Gemeinschaftsschule in Herrenberg. Die 43-jährige ist Arbeitnehmer*innen-Vertreterin und stellevertretende Vorsitzende des Hauptpersonalrates Gymnasien beim Kultusministerium. Sie ist GEW-Kreisvorsitzende in Böblingen, vertritt auf Landesebene die tarifbeschäftigten Lehrkräfte in der GEW und ist Mitglied der Bundestarifkommission.

David Warneck, 34 Jahre alt, ist Lehrer an einer Gemeinschaftsschule in Ostfildern. Während seines Studiums an der Pädagogischen Hochschule Freiburg ist er in die GEW eingetreten. Er ist Vorsitzender des GEW-Kreisverbands Esslingen-Nürtingen und Leiter des landesweiten Arbeitskreises Digitalisierung der GEW Baden-Württemberg. Darüber hinaus ist er Vorstandsmitglied des Hauptpersonalrats GHWRGS beim Kultusministerium.